Zehntausende Aktivistinnen bei Frauenkongress in Argentinien

Treffen war 1985 initiiert worden und ist inzwischen Mega-Event. Teilnehmerinnen fordern Schutz von Frauenrechten. Polizei greift Demo an

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Teilnehmerinnen  an einem Workshop des Kongresses
Teilnehmerinnen an einem Workshop des Kongresses

Rosario. Über 70.000 Aktivistinnen haben sich beim diesjährigen Frauenkongress in Argentinien versammelt. Vom 8. bis 10. Oktober wurden in Workshops und Diskussionsrunden Erfahrungen ausgetauscht und gemeinsame Ziele festgelegt. Themen, die das Treffen dominierten, waren sexuell motivierte tödliche Gewalttaten an Frauen ("Femicidio") und die Verschleppung und geschlechtsbezogene Ausbeutung von Frauen und Mädchen.

In der Auftakterklärung forderten die Frauen gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Auch mahnten sie den Sozialabbau der aktuellen rechtskonservativen Regierung an. Besonders schwerwiegend seien Entlassungen und teure Haushaltskosten für Frauen, da sie stärker von Armut betroffen sind. Häufig versorgten Frauen alleinverantwortlich Kinder und ältere Familienmitglieder, hieß es in der Kundgebung.

Seit 1985 finden die "Encuentros Nacionales de Mujeres" (ENM) einmal im Jahr in Argentinien statt. Inzwischen hat sich das Treffen von Frauen und feministischen Organisationen zum Mega-Ereignis entwickelt. In diesem Jahr reisten Aktivistinnen aus dem ganzen Land und aus den Nachbarstaaten Paraguay, Uruguay, Brasilien und Chile in die argentinische Stadt Rosario. Die Wahl sei auf die Hauptstadt der Provinz Santa Fe gefallen, wegen der gefährlichen Situation für die dort lebenden Frauen. Nach Angaben der Stadträtin von Rosario und Organisatorin Norma López sind in diesem Jahr bisher in Santa Fe 24 sogenannte Femizide begangen worden. Im Jahr 2015 waren insgesamt 31 Fälle bekannt geworden.

Die große Beteiligung macht sichtbar, dass Diskriminierung und Gewalttaten gegenüber Frauen gesellschaftlich stark verbreitet sind. So erklärten die Organisatorinnen: "Die Teilnehmerinnen sollen verstehen, dass sie mit dem Leid, das ihnen widerfährt, nicht alleine sind. Wir sind alle betroffen und daran beteiligt, die Gesellschaft zu verändern."

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Problematisiert wurde auch der Umstand, dass Gesetze zum Schutz von Frauenrechten zwar bestehen, aber nur unzureichend umgesetzt werden. Ebenso mahnten die Frauen an ein Gesetz zur Legalisierung von Abtreibungen an. Nach Angaben der Organisatorinnen sterben in Argentinien jährlich rund 100 Frauen an den Folgen unprofessionell ausgeführter illegaler Schwangerschaftsabbrüche.

Traditionell gibt es am Vorabend der Schlusskundgebung eine großangelegte Demonstration durch das Zentrum der jeweiligen Gastgeberstadt. Die Stationen sind in der Regel der Justizpalast, die Regierungsgebäude und die Kathedrale. Nach Berichten des argentinischen Radiosenders Cadena 3 wurden dabei am Sonntagabend von Polizisten Gummigeschosse auf die Demonstrierenden abgegeben. Ein Fotoreporter der argentinischen Nachrichtenagentur Télam soll in der Ausübung seiner journalistischen Tätigkeit beschossen worden sein.

2017 wird die Versammlung in der nordargentinischen Provinz Chaco ausgerichtet werden.

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