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Frauen aus ganz Lateinamerika bei Kongress in Argentinien

Gewalt gegen Frauen und das Recht auf Abtreibung zentrale Themen. 65.000 Teilnehmerinnen bei Demonstration, Angriffe von Rechten und Polizei
Abschlussdemonstration des Frauentreffens in Mar del Plata

Abschlussdemonstration des Frauentreffens in Mar del Plata

Mar del Plata. Drei Tage lang haben sich in dem argentinischen Küstenort Mar del Plata rund 60.000 Frauen aus Lateinamerika getroffen, um frauenpolitische Forderungen zu beraten und gemeinsame Ziele festzulegen. Bei der Konferenz anwesend waren auch Vertreterinnen aus Kurdistan und dem Baskenland. Sie kamen zu Diskussionen, Austausch von Erfahrungen und einer Demonstration zusammen. In den 70 Workshops gab es eine große Bandbreite von Themen, die sowohl politische wie auch wirtschaftliche, kulturelle und private Aspekte der Situation der Frauen abdeckten.

Die "Encuentros Nacionales de Mujeres" (ENM) in Argentinien entstanden im Anschluss an eine erste landesweite Zusammenkunft von 600 Frauen im Jahr 1985. In der Folgezeit kamen immer mehr Teilnehmerinnen hinzu. Die Diskussionspunkte der Workshops entsprachen ihren unterschiedlichen Hintergründen als Arbeiterinnen, Bäuerinnen, Studentinnen, Intellektuellen, Lesben, Transsexuellen.

Zentrale Themen waren die Gewalt gegen Frauen und der Kampf für das Recht auf Abtreibung. In Argentinien wird statistisch betrachtet alle 26 Stunden eine Frau ermordet. Auch in der Zeit des Kongresses gab es zwei Morde an Frauen in Mar de Plata. Die Teilnehmerinnen konstatierten in einem Workshop über Frauen und Medien, dass sie es immerhin erreicht hätten, dass die Massenmedien bei Gewalt gegen Frauen nicht mehr den Opfern die Schuld daran geben. So habe sich inzwischen auch im öffentlichen Diskurs der Begriff "Feminizid" für gezielte Frauenmorde durchgesetzt. Aber generell bildeten die Massenmedien weiterhin ein traditionelles Frauenbild ab. Deshalb seien eigene Medien erforderlich. Nicht nur Zeitung und Radio, auch die neuen Medien seien ein wichtiges Instrument, um die Interessen der Frauen zu verbreiten.

Wie in fast ganz Lateinamerika ist in Argentinien keine legale Abtreibung möglich. Das Thema ist dort sehr umstritten. Die katholische Kirche hat großen Einfluss auf die Politik und ist strikt gegen eine Gesetzesänderung für die Straffreiheit von Schwangerschaftsunterbrechungen. In Argentinien sterben jährlich rund 500 Frauen nach illegalen Abtreibungen.

Dieses Thema nahmen radikale Abtreibungsgegner, Neonazis und Katholiken zum Anlass, ihren Unmut über die Forderungen der Frauen am Ort der Abschlusskundgebung auch mit Gewalt zum Ausdruck zu bringen. Die Polizei hatte einen Kordon zwischen den beiden Gruppen errichtet und setzte nach Flaschenwürfen Tränengas und Gummigeschosse ein. Fünf Frauen wurden in der Kirche verhaftet. Einige wurden verletzt. Die argentinische Zeitung Página12 zeigte sich empört über die Gewalt gegen die Frauen und wies darauf hin, dass es in den 30 Jahren seit Bestehen der ENM noch nie zu einem Polizeieinsatz gekommen sei. Traditionell endeten die Demonstrationen immer an Kirchen. Die Verhaftungen in der Kirche verurteilte Página12 als gesetzwidrig.

Neben den Workshops und der Demonstration fand auch ein Stadtrundgang zu Orten statt, die für Frauen eine besondere Bedeutung haben. So zu einem Bordell, in dem vor allem Frauen aus der Dominikanischen Republik arbeiten, einem Ort zum Gedenken an die ermordeten und verschwundenen Frauen der Diktatur sowie zu einem Wandbild, das an die Erschießung von 102 Frauen während der Diktatur erinnert.

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