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04.11.2016 Chile / Deutschland / Politik

Delegation des deutschen Bundestages besucht Colonia Dignidad in Chile

Gedenken am Massengrab. Im Vordergrund Myrna Troncoso. Dahinter die Abgeordnete Künast und weitere Delegationsmitglieder

Gedenken am Massengrab. Im Vordergrund Myrna Troncoso. Dahinter die Abgeordnete Künast und weitere Delegationsmitglieder

Quelle: Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V.

Parral, Chile. Zum ersten Mal haben Abgeordnete des Bundestages die ehemalige deutsche Sektensiedlung in Chile besucht, in der jahrzehntelang schwere Menschenrechtsverletzungen begangen wurden. Eine Delegation aus sieben Mitgliedern des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz gedachte am Mittwoch den vermutlich über hundert chilenischen Widerstandskämpfern, die dort während der Diktatur von Augusto Pinochet von den deutschen Bewohnern und chilenischen Militärs ermordet wurden. Anschließend führten die Abgeordneten Gespräche mit Vertretern der chilenischen Angehörigenverbände sowie mit deutschen Opfern der Siedlung.

An der Delegation unter Leitung der Ausschussvorsitzenden Renate Künast von den Grünen nahmen Jan-Marco Luczak, Stephan Harbarth und Volker Ullrich von der CDU/CSU, Matthias Bartke und Christian Flisek von der SPD sowie Harald Petzold von der Partei Die Linke teil.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte im April erstmals deutliche Worte zum Terrorregime der Colonia Dignidad gefunden und dabei auch die Unterstützung durch die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland offen kritisiert. "Der Umgang mit der Colonia Dignidad ist kein Ruhmesblatt, auch nicht in der Geschichte des Auswärtigen Amtes", so Steinmeier. Bis in die achtziger Jahre hätten deutsche Diplomaten "bestenfalls weggeschaut". Als Sektenchef Paul Schäfer 2005 festgenommen wurde und sein Regime zerfiel habe "das Amt die notwendige Entschlossenheit und Transparenz vermissen lassen, seine Verantwortung zu identifizieren und daraus Lehren zu ziehen." Der Besuch der Abgeordneten sollte nun als Informationsbasis für die Erarbeitung von Vorschlägen für konkrete deutsch-chilenischen Aufarbeitungsmaßnahmen dienen.

Die Delegation war zuvor von dem Opferanwalt Winfried Hempel über die derzeitige Situation der Siedlung informiert worden. Zum Auftakt des Besuches fand eine Gedenkzeremonie in einem Waldstück auf dem Siedlungsgelände statt, wo ein chilenischer Richter im Jahr 2006 Massengräber gefunden hatte. Dort waren dutzende politische Gefangene nach ihrer Hinrichtung verscharrt worden. In Anwesenheit von Vertreterinnen der Angehörigenorganisation der Verschwundenen (AFDD) legten die Abgeordneten weiße Rosen nieder.

Die Vorsitzende der AFDD der nahegelegenen Stadt Talca, Myrna Troncoso, sprach in ihrer Rede von einem "historischen Moment": Zum ersten Mal gedachten hochrangige deutsche Politiker den chilenischen Opfern der Colonia Dignidad. Sie forderte die Abgeordneten dazu auf, sich für bilaterale Aufarbeitungsmaßnahmen einzusetzen. Besonders wichtig seien eine Beschleunigung der strafrechtlichen Untersuchungen seitens der deutschen und chilenischen Justiz, ein Ende des Folkloretourismus in der Siedlung sowie die Errichtung eines Gedenkortes.

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