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04.12.2016 Kuba / Politik

Hunderttausende auf Trauerkundgebung für Fidel Castro in Santiago

Zweite Massenkundgebung nach Staatsakt in Havanna. Viele Gäste aus dem Ausland. Keine Straßen und Plätze sollen nach Revolutionsführer benannt werden
Menschenmenge auf dem Maceo-Platz in Santiago

Menschenmenge auf dem Maceo-Platz in Santiago

Santiago de Cuba. Nach einem Staatsakt am Dienstag mit rund zwei Millionen Teilnehmern in der Hauptstadt Havanna nach dem Tod des ehemaligen kubanischen Staats- und Regierungschef Fidel Castro hat am Samstag in Santiago de Cuba eine weitere offizielle Trauerkundgebung stattgefunden. Auf dem zentralen Antonio-Maceo-Platz der ostkubanischen Stadt kamen hunderttausende Menschen zusammen. Die staatliche Tageszeitung Granma hatte bereits vorab berichtet, dass auch wieder politische Würdenträger und Persönlichkeiten aus dem Ausland anwesend sein werden.

Der kubanische Revolutionsführer (1926-2016) war am 25.November im Alter von 90 Jahren gestorben. Seit Beginn dieser Woche war auf dem Revolutionsplatz in Havanna die Urne mit der Asche Castros ausgestellt worden, seither hatten ihm Zehntausende die letzte Ehre erwiesen.

An dem ersten Staatsakt in der Hauptstadt nahmen auch zahlreiche Präsidenten aus dem Ausland teil. Anwesend waren unter anderen der ehemalige König von Spanien, Juan Carlos, sowie die Präsidenten von Venezuela, Nicolás Maduro, Bolivien, Evo Morales, Nicaragua, Daniel Ortega, und Ecuador, Rafael Correa. Russland war mit einer ranghohen Delegation vertreten, ebenso weitere Staaten Lateinamerika, Afrikas und Asiens. Neben dem amtierenden Präsidenten Raúl Castro sprachen 17 weitere Staatschefs.

Unter den internationalen Gästen waren unter anderem wieder Evo Morales, Daniel Ortega und  Nicolás Maduro. Auch Haitis Staatschef  Jocelerme Privert sowie der ehemalige Präsident Haitis, René Preval waren anwesend. Unter den Teilnehmern waren zudem die Präsidenten der Demokratischen Republik Kongo, Denis Sassou-Nguesso, Äthiopiens, Mulato Teshome, der angolanische Vizepräsident Manuel Vicente und den Außenminister von Mali, Abdoulaye Diop. Aus Brasilien nahmen die gestürzte Präsidentin Dilma Rousseff und ihr Amsvorgänger Luiz Inácio Lula da Silva teil.

Zehntausende säumten die Straßen nach Santiago de Cuba

Zu den internationalen Gästen zählte auch die argentinische Fußballlegende Diego Maradona, der den verstorbenen als "zweiten Vater" ehrte. "Ich bin gekommen, um bei ihm zu sein, bei der Legende, die von uns gegangen ist, uns aber ein klares Vermächtnis hinterlassen hat", so Maradona.

In Santiago de Cuba ergriff Raúl Castro wieder das Wort. Das kubanische Volk werde auch nach dem Tod von Fidel Castro die Ideale verteidigen, für die der Revolutionsführer während seines Lebens stand, sagte der Amtsinhaber bei dem Staatsakt vor tausenden Teilnehmern. Er zitierte in seine Rede einen Satz des kubanischen Generals Antonio Maceo (1868-1898), dem zufolge "jeder, der sich Kuba einzuverleiben versucht, nur den blutgetränkten Boden unter seinen Füßen erhält".

Vor allem für ausländische Medienvertreter, die in den vergangenen Tagen von einem "Personenkult" in Kuba geschrieben hatten, überraschend kündigte Raúl Castro an, dass keine öffentlichen Plätze nach Fidel Castro benannt werden sollen. Dem Weltbild des Befreiungskämpfers José Martí (1853-1895) folgend habe Fidel Castro jede Art von Personenkult abgelehnt, sagte er in seiner Rede. Der verstorbene Revolutionsführer hatte sich wiederholt gegen die rituelle Verehrung politischer Führungspersönlichkeiten ausgesprochen und auf den Ausspruch Martís verwiesen, dass "alle Ehre der Welt auf ein Maiskorn passe".

Bei der zweiten großen Trauerfeier sprachen neben Raúl Castro mehrere Vertreter großer Organisationen aus Politik und Kultur wie Carlos Rafael Miranda Martínez, der Vorsitzende der Komitees zur Verteidigung der Revolution, Basisorganisationen auf Stadtteilebene. Zu Wort kamen auch Ulises Guilarte de Nacimiento, Generalsekretär des kubanischen Gewerkschaftsdachverbandes CTC, und Miguel Barnet Lanza, Präsident der Nationalen Union der Schriftsteller und Künstler. Ansprachen hielten zudem die Vorsitzenden des Studentenverbandes, Jennifer Bello Martínez, der Kommunistischen Jugend, Susely Morfa González sowie des kubanischen Frauenverbandes, Teresa M. Amarelle Boué.

Vorsitzender des Künstlerverbandes UNEAC, Miguel Barnet

Juan Manuel Karg, Politologe der Universität von Buenos Aires, sprach von einem "unermesslichen Vermächtnis" Fidel Castros: "Er veränderte das tägliche Leben von Millionen Kubanern, indem er ihnen die Möglichkeit gab, eine kostenlose und hochwertige Gesundheitsversorgung sowie Bildung zu genießen." Er habe viel für Benachteiligte in anderen Teilen der Erde getan, die sich selbst überlassen waren. "Darum sind die Einschätzungen seines Lebensweges weitreichend positiv", so Karg.  Die negativen Reaktionen seien spärlich und "vom Hass jener gefärbt, die ihn niemals besiegen konnten".

Pablo Gentili, Exekutivsekretär des Lateinamerikanischen Rates der Sozialwissenschaften, zeigte sich überzeugt, dass Fidel Castro "in den Kämpfen der Völker gegen Ausbeutung und Ungerechtigkeit weiterlebt". Er stehe weiterhin "für die Utopie, die den Kampf für eine freiere und gerechtere Welt antreibt".

Alfredo Serrano, spanischer Ökonom und Direktor des Lateinamerikanischen Strategischen Zentrums für Geopolitik, urteilte schlichtweg: "Fidel (Castro) ist Lateinamerika, Souveränität Würde und Revolution. Fidel (Castro) ist Geschichte."

Der französische Dozent und Schriftsteller Salim Lamrani verwies darauf, dass "Fidel Castro von den Völkern Lateinamerikas und der Dritten Welt bewundert wird, weil er ein Symbol des Widerstandes gegen die Unterdrückung und ein Verteidiger des Verlangens der Länder Südamerikas nach Unabhängigkeit, Souveränität und Selbstbestimmung ist". Er sei paradigmatisch für den Antiimperialismus des 20. Jahrhunderts."

"Ich bin Fidel"

Ab Mittwoch war die Asche des Comandante en Jefe über mehr als 1.000 Kilometer nach Santiago de Cuba gebracht worden. Zehntausende säumten die Straßen, vielfach waren Schilder mit der Aufschrift "Yo soy Fidel" (Ich bin Fidel) zu sehen. Castros letzte Reise nahm damit die umgekehrte Route der "Karawane der Freiheit", mit der die Revolutionäre 1959 nach dem Sturz des von den USA unterstützten Diktators Fulgencio Batista nach Havanna eingezogen waren. 

Die Trauerfeier selbst soll im engen Familienumfeld im Beisein einiger geladener Gäste am heutigen Sonntag stattfinden. Fidel Castro wird auf dem Santa-Ifigenia-Friedhof in Santiago beigesetzt werden. Dort befindet sich auch das Grab des kubanischen Freiheitshelden José Martí.


In einer früheren Version dieses Textes war von "zehntausenden Teilnehmern" in Santiago die Rede. Nach Informationen aus Kuba, die uns inzwischen erreicht haben, lagen die Zahlen zwischen 300.000 und 500.000. Wir haben diese Information im Beitrag geändert.

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Menschenmenge auf dem Maceo-Platz in Santiago
Zehntausende säumten die Straßen nach Santiago de Cuba
Vorsitzender des Künstlerverbandes UNEAC, Miguel Barnet
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