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02.01.2017 Deutschland / Kuba / Kultur / Politik

Esther Bejarano und Microphone Mafia auf Tournee in Kuba

Auschwitz-Überlebende und Rapper aus Köln treten in drei Städten auf. Kubanische Rap-Agentur organisiert Konzerte. Tour durch Spenden finanziert
Esther und Joram Bejarano mit Kutlu Yurtseven bei einem Auftritt im April 2015

Esther und Joram Bejarano mit Kutlu Yurtseven bei einem Auftritt im April 2015

Hamburg/Köln/Havanna. Auf Einladung des staatlichen kubanischen Musikinstitutes ist die Musikerin, Aktivistin und Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano vom 6. bis 14. Januar mit dem Bassisten Joram Bejarano und Microphone Mafia (Mic Mafia) auf Konzertreise in Kuba. Nach Angaben der Organisatoren erfüllt sich damit ein lang gehegter Wunsch Bejaranos.

Die in Hamburg lebende, heute 92-jährige Bejarano, ihr Sohn Joram sowie Kutlu Yurtseven und Rosario Pennino von Mic Mafia werden zusammen mit rund zwei Dutzend Begleitern von der Rap-Agentur des kubanischen Musikinstitutes in Empfang genommen. Geplant sind mehrere Auftritte in Havanna und Konzerte in Camagüey und Santa Clara. Auch Zusammenkünfte mit Vertretern aus Politik, Religion und Kultur sind vorgesehen. Wie die Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba weiter berichtet, soll zudem im Institut für Völkerfreundschaft "über den aktuellen Stand der deutsch-kubanischen Beziehungen auf staatlicher Ebene und im Bereich der Nichtregierungsorganisationen und der Solidaritätsbewegung gesprochen werden". Auch ein Pressegespräch über die Motivation der Sängerin, ihre Musik in Kuba vorzustellen, sei vorgesehen.

Die Konzerte und Begegnungen werden von Martin Broschwitz und Tobias Kriele ("Zucker und Salz", "Die Kraft der Schwachen") in einem Dokumentarfilm festhalten.

Esther Bejarano wurde 1924 als Kind jüdischer Eltern in Saarlouis geboren. Ab dem Jahr 1941 war sie im Zwangsarbeitslager Neuendorf bei Fürstenwalde/Spree und wurde am 20. April 1943 mit allen anderen Insassen des Arbeitslagers und mehr als eintausend weiteren Menschen nach Auschwitz deportiert. Dort überlebt sie nur, weil es ihr gelang, als Akkordeonspielerin Mitglied des "Mädchenorchesters" zu werden. Später wurde sie in das KZ Ravensbrück verschleppt. Während eines Todesmarsches gelang ihr die Flucht. Ihre Eltern und ihre Schwester wurden von den Nazis ermordet. Nach Kriegsende wanderte sie zunächst nach Israel aus, kehrte jedoch 1960 mit Mann und Kindern nach Deutschland zurück. Seit Ende der 1970er Jahre spricht Esther Bejarano als Zeitzeugin vor Schulklassen. Im Jahr 1986 gehörte sie zu den Mitbegründern des Auschwitz-Komitee und arbeitet seitdem auch in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN/BdA), deren Ehrenvorsitzende sie wird. Gemeinsam mit Tochter Edna und Sohn Joram gründete sie Anfang der 1980er Jahre die Gruppe Coincidence mit  jüdischen und antifaschistischen Liedern.

Bejarano erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2012 das "Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland".

Die Microphone Mafia wurde 1989 "von einem Haufen 16- und 17-jähriger Kids in Köln-Flittard" gegründet, wie es auf der Homepage der Gruppe heißt. Dort "spricht man deutsch, türkisch, italienisch, jede Menge andere Sprachen – und natürlich Kölsch." Einer ihrer ersten Songs hatte entsprechend den Titel "International, multilingual, multicultural". Mic Mafia wurden europaweit bekannt als Rapper gegen Rassismus und rechte Gewalt. 2009 veröffentlichen sie mit Esther Bejarano und ihren Kindern die CD "Per La Vita" (Für das Leben). Dem folgten zahlreiche gemeinsame Auftritte von Mic Mafia, Esther und Joram Bejarano bei politischen Veranstaltungen und Festivals.

Nach Angaben der Organisatoren ist  die Kuba-Konzertreise ‒ "dieses außergewöhnliche Projekt der Völkerverständigung" ‒ komplett von Spenden abhängig.

Die FG Kuba stellt ein Konto zur Verfügung:

Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V.

Verwendungszweck: "Esther Bejarano“

IBAN: DE96 3702 0500 0001 2369 00 bei der Bank für Sozialwirtschaft

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05.09.2016 Nachricht von Marc-André Ludwig