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10.02.2017 Kolumbien / Politik

Differenzen beim Auftakt der Friedensverhandlungen zwischen ELN und Regierung von Kolumbien

ELN-Kommandant und Verhandlungsleiter Pablo Bertrán bei seiner Ansprache zum offiziellen Auftakt der Verhandlungen in Quito

ELN-Kommandant und Verhandlungsleiter Pablo Bertrán bei seiner Ansprache zum offiziellen Auftakt der Verhandlungen in Quito

Quelle: twitter.com

Quito/Bogotá. Die kolumbianische Regierung und die zweitstärkste Guerillagruppe des Landes Nationale Befreiungsarmee (ELN) haben am Dienstag in Quito offiziell Friedensgespräche aufgenommen. Der ecuadorianische Regierungsvertreter Juan Meriguet erklärte sie für eröffnet. Ecuador gehört mit Brasilien, Chile, Kuba, Norwegen und Venezuela zu den Garantenländern der Verhandlungen.

Spannungen wurden laut Beobachtern bereits in der Eröffnungszeremonie deutlich. Der Verhandlungsführer der kolumbianischen Regierung, Juan Camilo Restrepo, verkündete in seiner Eröffnungsrede, es werde "sehr schwierig voranzukommen", wenn die ELN weiter Menschen entführe. ELN-Kommandant Pablo Beltrán forderte im Gegenzug die Regierung auf, "Verantwortung für ihr Handeln" während des Konflikts zu übernehmen.

Frédéric Massé, Konfliktforscher an der Universität Externado de Colombia, führt diese Spannungen auf die "fundamentalistischen Forderungen" der ELN zurück und befürchtet, die Gespräche könnten langwieriger und komplizierter werden als der soeben abgeschlossene Friedensprozess mit den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Farc). Die ELN wolle "tiefgreifendere Veränderungen". Auch kritisieren verschiedene Nichtregierungsorganisationen, dass die ELN sich bisher nicht von Entführungen als politischem Druckmittel distanziert habe.

Parallel zur offiziellen Zeremonie waren zahlreiche Mitglieder sozialer Bewegungen nach Quito gereist. Sprecher des Verhandlungstisches sozialer Bewegungen für den Frieden (Mesa Social para la Paz) hielten eine Pressekonferenz ab, auf der sie ihr Beteiligung als verbindliches Element der Verhandlungen forderten. An dieser Initiative sind über 80 kolumbianische Organisationen beteiligt, wie ihre Sprecherin Marylen Serna betonte, darunter der Congreso de los Pueblos, die nationale Indigenenorganisation ONIC und der Dachverband der Afrokolumbianer PCN.

Die Aussage des Regierungssprechers Restrepo, dass die Bevölkerung keine bindende Rolle in der Verhandlung haben werde, stieß auf heftige Kritik. Die ELN erklärte über Twitter, "Frieden mit sozialer Gerechtigkeit ist nur mit der Partizipation der Bevölkerung möglich".

Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos war nicht anwesend und gab lediglich auf Twitter bekannt: "Der Dialog mit der ELN erfüllt uns mit Optimismus".

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