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Gewalt in Kolumbien hält trotz Friedensprozessen an

Morddrohung der paramilitärischen Gruppe Águilas negras gegen soziale Bewegungen, vom 12. Februar 2017

Morddrohung der paramilitärischen Gruppe Águilas negras gegen soziale Bewegungen, vom 12. Februar 2017

Quelle: amerika21

Bogotá. Trotz der bereits abgeschlossenen Friedensverhandlungen zwischen den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Farc) und der Regierung sowie den soeben aufgenommenen Gesprächen mit der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) nehmen die Morde und Drohungen gegen soziale Bewegungen nicht ab. Auch Mitglieder der Guerilla werden bedroht.

Seit Beginn des beidseitigen Waffenstillstands zwischen Farc und der Regierung von Präsident Juan Manuel Santos im vergangenen Jahr meldet die Dachorganisation sozialer Bewegungen Marcha Patriótica mindestens 317 Menschenrechtsverletzungen an Sprechern der Basisorganisationen. Im Jahr 2016 waren die Morde wieder gestiegen, es wurden mindestens 50 Aktivisten getötet. Grund dafür sei laut des Berichtes die zunehmende Mobilisierung der Paramilitärs, die eng mit lokalen und regionalen staatlichen Institutionen zusammen arbeiten würden.

Auch der Congreso de los Pueblos wies in den letzten Tagen auf die massive Verfolgung seiner Mitglieder hin. In den ersten 48 Stunden nach der Aufnahme der Verhandlungen mit der ELN seien zwei Sprecher Opfer von Anschlägen geworden und viele weitere bedroht worden. Besonders in den ländlichen Regionen tauchen vermehrt Pamphlete unterschiedlicher paramilitärischer Gruppen auf, die Morddrohungen gegenüber Afro-Organisationen und angeblichen Farc-Sympathisanten beinhalten.

In den letzten Wochen war bereits berichtet worden, dass Paramilitärs die Gemeinden in ehemals von den Farc kontrollierten Gebieten besetzen. Hunderte uniformierte bewaffnete Männer der sogenannten Gaitán-Selbstverteidigungsgruppen (AGC) wären unmittelbar nachdem die Rebellen sich in die Entwaffnungszonen begeben haben einmarschiert. Einwohner klagen über Drohungen, Ausganssperren und selektive Morde durch die Paramilitärs. In diesem Jahr haben sie bereits 17 Basisaktivisten ermordet. Mindestens 500 Menschen sind in jüngster Zeit von Paramilitärs vertrieben worden.

Die Regierung Santos gibt zwar zu, dass kriminelle Strukturen diese Gebiete in Besitz genommen haben, spricht aber nicht von Paramilitärs, da die Regierung deren Existenz negiert. Marcha Patriótica spricht von einer gezielten "systematischen Welle der Gewalt" gegen sie und weitere oppositionelle Gruppen. 

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