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12.03.2017 Ecuador / Politik

Vor Stichwahl: Linke in Ecuador fallen linkem Kandidaten in den Rücken

Kandidaten bereiten sich auf Stichwahl am 2. April vor. Vertreter der Alianza País in Führung. Teil des progressiven Lagers unterstützt rechten Banker Guillermo Lasso
Kandidaten der Linken und des Regierungslagers in Ecuador: Lenín Moreno

Kandidaten der Linken und des Regierungslagers in Ecuador: Lenín Moreno

Quelle: Andes
Lizenz: CC by-sa 2.0

Quito. In Ecuador hat am Freitag die zweite Runde des Wahlkampfes begonnen, beide Lager starteten erneut ihre Kampagnen. Bei den Präsidentschaftswahlen vom 19. Februar hatte zunächst keiner der Kandidaten die erforderliche Mehrheit von 40 Prozent erlangen können. Von den sieben Kandidaten im ersten Wahlgang stehen nun zwei zur Wahl: Lenín Moreno von der regierenden Alianza País und Guillermo Lasso von der rechtsliberalen Parteienallianz CREO-Suma.

Nach der ersten Runde der Wahlen hatten sich zahlreiche Einzelpersonen und Organisationen für die Unterstützung des einen oder anderen Kandidaten ausgesprochen. Auffallend dabei ist die Unterstützung von eher dem linken Spektrum angehörenden Personen für den neoliberalen Lasso. Dazu zählen die Führer von indigenen Organisationen und der maoistischen Partei "Demokratische Volksbewegung". Auch Vertreter von Montecristo vive, einer Organisation, in der sich auch der ehemalige Mitstreiter von Präsident Rafael Correa, Alberto Acosta, engagiert, sprechen sich gegen eine Unterstützung des Kandidaten der Alianza País aus. Ein immer wiederkehrende Losung lautet: "Lieber ein Banker, als ein Diktator."

Hingegen haben Vertreter verschiedener sozialer Bewegungen sich von den Aufrufen ihrer Organisationsführer distanziert. Sie werfen ihnen vor, die Basis bei der Parteinahme gegen Moreno und die Alianza País nicht konsultiert zu haben. Sie würden Moreno und nicht Lasso unterstützen. "Wir weisen diese Aufrufe entscheiden zurück, denn wir haben einen anderen Vorschlag, um die Armen, die Händler, Bauern und Produzenten zu unterstützen", sagte ein Vertreter der indigenen Organisation Ecuarani bei einer Pressekonferenz. Auch Vertreter von Organisationen von Afroecuadorianern, Lesben, Schwulen und Transgender wollen Moreno unterstützen. Der Präsidentschaftskandidat des "linken" Bündnisses Acuerdo Nacional por el Cambio, Paco Moncayo, hat zur Wahl von Lasso aufgerufen. "Es gibt keine andere Möglichkeit, Correa loszuwerden, als für Lasso zu stimmen. Nichts anderes bleibt übrig! Ich werde mich nicht zurückhalten und 'für niemanden' plädieren", schrieb Moncayo über den Kurznachrichtendienst Twitter – zur Freude des rechten Kandidaten Lasso.

In linken Onlinemedien kursieren indes Erklärungen aus den verschiedenen Lagern. So kritisiert der Journalist Eloy Osvaldo Proano "Pseudolinke" wie Alberto Acosta, die einen Banker vorziehen.

Lasso kann mit der Unterstützung eines großen Teiles der Opposition rechnen. So haben die Christsozialen sowie andere Parteien und Gruppen ihre Unterstützung zugesagt.

Der Wahlkampf endet am 30. März. Aufgerufen sind 12,8 Millionen Wähler. Die Wahl findet am 2. April wieder unter Beteiligung internationaler Wahlbeobachter statt.

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