Chile

Pinochets Witwe erhält Luxusrente aus Pensionskasse der Militärs in Chile

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Lucía Hiriart beim Verlassen des Militärhospitals in Santiago de Chile nach dem
Lucía Hiriart beim Verlassen des Militärhospitals in Santiago de Chile nach dem Tod ihres Ehemannes, Augusto Pinochet, am 10. Dezember 2006

Santiago. Lucía Hiriart, die Witwe des chilenischen Diktators Augusto Pinochet (1973-1990), erhält Behördenangaben zufolge eine hohe Rente aus der Pensionskasse des Militärs (Capredena). Auch mehrere wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen verurteilte Militärs profitieren von solch einer monatlichen Zahlung. Hiriart, gegen die wegen unrechtmäßiger Bereicherung ermittelt wird, erhält zurzeit umgerechnet rund 4.600 US-Dollar Rente aus der Capredena. Die Militärpensionskasse wurde bisher, im Gegensatz zu anderen Rentensystemen, nicht privatisiert. Somit werden die Militärrenten zu 75 Prozent staatlich finanziert. Nur 25 Prozent stammen von der Capredena selbst. Die Pensionskasse musste nun vor dem Hintergrund eines Transparenzgesetzes ihre Zahlungen offenlegen.

Pinochets Witwe Hiriart bezieht ihre Rente offenbar seit dem Tod ihres Mannes im Jahr 2006. Pinochet, dem in mehreren Fällen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen wurden, starb noch vor seinem Prozess. Seine Witwe erbte seine gesamten Altersbezüge. Momentan wird wegen jahrelanger Spekulationen mit staatlichem Eigentum gegen sie ermittelt. Sie soll dadurch in ihrer Funktion als lebenslange Präsidentin der Stiftung CemaChile zehntausende US-Dollar Gewinn gemacht haben.

Auch der Sohn von Pinochet und Hiriart, Augusto Pinochet Hiriart, erhält nach Medienberichten eine monatliche Rente von rund 690 US-Dollar von der Capredena.  Zudem wurde nun bekannt, dass auch 95 ehemalige Generäle und Offiziere der chilenischen Armee, die unter anderem wegen Mord, Folter und dem Verschwindenlassen von Personen verurteilt wurden, monatliche Rentenzahlungen von bis zu 4.700 US-Dollar erhalten. Im Durchschnitt erhalten die Militärs fünfmal so viel wie Menschen, die ihre Rente aus dem nationalen Rentenversicherungssystem AFP erhalten, auch wenn sie teilweise doppelt so lang gearbeitet und in das Rentensystem eingezahlt haben wie die Militärs.

Das chilenische Rentenversicherungssystem in seiner jetzigen Form, wurde 1980 unter der Militärdiktatur Pinochets vom Umlageverfahren auf das Kapitaldeckungsverfahren umgestellt. Es wurden verschiedene private Rentenfonds gegründet (AFPs). Die zu erwartende Rentenhöhe hängt seitdem von der Wertentwicklung der Rentenfonds und von der Höhe der abgezogenen Verwaltungskosten ab, die meist relativ hoch sind. Angehörige des Militärs verfügen über ein eigenes Rentenprogramm (im Umlageverfahren) und müssen nicht in das allgemeine Rentensystem einzahlen.

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