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Farc-Rebellen in Kolumbien geben ihre Waffen ab

Prozess unter Aufsicht der Vereinten Nationen soll bis Anfang kommender Woche abgeschlossen sein. Gewalt im Land dauert an, US-Einfluss stark
Die Abgabe der Waffen der Farc-Rebellen in Kolumbien erfolgt unter UN-Aufsicht

Die Abgabe der Waffen der Farc-Rebellen in Kolumbien erfolgt unter Aufsicht der Vereinten Nationen

Quelle: @FARC_EPeace

Bogotá. In Kolumbien ist die Abgabe der Waffen der Farc-Guerilla nach dem erfolgreichen Abschluss eines Friedensvertrags zwischen der Regierung von Präsident Juan Manuel Santos und der linksgerichteten Rebellenorganisation in vollem Gange. Seit Anfang Juni übergeben die Farc-Kämpfer ihre Waffen in sogenannten Entwaffnungszonen an eine Sondermission der Vereinten Nationen. Der Prozess soll bis zum kommenden Montag dauern. Bislang seien 60 Prozent der Kampfmittel abgegeben wurden, hieß es von den UNO-Vertretern, die übrigen 40 Prozent würden in den nächsten Tagen zusammengetragen.

"Bis dato haben rund 5.800 Mitglieder der Farc, darunter auch Milizionäre und Inhaftierte, an diesem Prozess teilgenommen und ihre Waffen abgegeben, um in das zivile Leben zurückzukehren", sagte Präsident Santos nach einem Treffen mit dem stellvertretenden UN-Generalsekretär für politische Angelegenheiten, Jeffrey Feltman. Die bisherige Bilanz sei eine "sehr gut Nachricht für das Land", so Santos, der darauf verwies, dass insgesamt 6.934 Farc-Kämpfer in 26 Entwaffnungszonen registriert sind.

Unter der Aufsicht des UN-Sonderbeaufftragen für Kolumbien, Jean Arnault, waren bereits am Dienstag vergangener Woche in kolumbianischen La Elvira Gewehre, Pistolen sowie Granaten- und Raketenwerfer in einem UN-Container deponiert worden. Die Entwaffnung der größten Rebellenorganisation des Landes ist zentraler Bestandteil der Friedensgespräche gewesen. Mit den Friedensvertrag endet ein 52-jähriger innerstaatlicher Konflikt mit nach offiziellen Angaben mehr als 7,2 Millionen Binnenflüchtlingen und 218.000 Opfern, davon 81 Prozent Zivilisten.

Beobachter verweisen – neben den positiven Aspekten – aber auch auf die bevorstehenden Aufgaben wie die Aufarbeitung begangener Verbrechen, Entschädigung der Opfer und Integration ehemaliger Kämpfer in die Gesellschaft. Der Umgang mit diesen Themen spaltet die Nation, wie es beim unverbindlichen Plebiszit am 2. Dezember vergangenen Jahres deutlich wurde: Weniger als ein Prozent der Stimmen trennten die Befürworter von den Gegnern der friedlichen Aufarbeitung des Konfliktes, die sich letztlich durchsetzten und eine Neuverhandlung des Friedensvertrages erzwangen. Dabei hatten die von Gewalt am stärksten betroffenen Regionen – Cauca, Chocó und Nariño – mehrheitlich für die Umsetzung des in Havanna vereinbarten Friedensvertrages gestimmt.

Auch nach dem Friedensabkommen endete die Gewalt nicht. Militärkontrollen auf Landstraßen, blutige Kämpfe in ländlichen Gebieten mit vielen Opfern sowie große Mengen an Binnenvertriebenen gehören auch weiterhin zur oft ignorierten Realität.

Die unübersichtliche Konstellation aus Guerilla-Organisationen, rechten paramilitärischen Gruppen und kriminellen Syndikaten dominieren vor allem die ländlichen Regionen. Daran trug in der Vergangenheit vor allem auch der Staat eine Verantwortung, der auf Gewalt mit Gewalt antwortete. Vor allem die Amtszeit von Álvaro Uribe (2002-2010) stand für Militarisierung in Zusammenarbeit mit der US-Regierung. Zwischenzeitlich war Kolumbien auf Platz drei der Länder mit der höchsten militärischen Unterstützung der USA, schreibt die kanadische Politikwissenschaftlerin und Lateinamerika-Expertin Roberta Rice.

Das US-Militärprogramm "Plan Colombia" sei mit einem Volumen von zwei Milliarden US-Dollar in Peru, Kolumbien und Bolivien implementiert worden. Für Friedensinitiativen hatten die USA im gleichen Zeitraum lediglich drei Millionen US-Dollar übrig, so Rice weiter.

Die USA werden auch weiterhin einen hohen Einfluss in Kolumbien haben. Derzeit gibt es sieben US-Militärstützpunkte in dem südamerikanischen Land.

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