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Zwei von drei Mexikanerinnen erleiden physische Gewalt

"Keine Frauenmorde mehr" – Graffito in Mexiko

"Keine Frauenmorde mehr" – Graffito in Mexiko

Quelle: lunita lu
Lizenz: CC by-nc 2.0

Mexiko-Stadt. Gemäß einer neuen Studie sind 62,77 Prozent der Mexikanerinnen mindestens einmal in ihrem Leben physischer Gewalt ausgesetzt. Allein im vergangenen Jahr hatte jede zwölfte Mexikanerin (7,8 Prozent) von ihrem Partner physische oder sexuelle Gewalt erlitten. Die extremste Form der Gewalt gegen Frauen, der Feminizid, nimmt in mehreren Regionen Mexikos zu, pro Tag werden sechs bis sieben Frauen ermordet. Verlässliche Daten zu diesem Phänomen liegen kaum vor.

Die Problematik der Gewalt gegen Frauen in Mexiko wird vom Gender-Atlas in mehreren Dimensionen statistisch erfasst, betonte María Eugenia López Luna, Direktorin des staatlichen Statistikinstituts INEGI. Die neue Plattform Gender-Atlas erarbeitete das INEGI in Zusammenarbeit mit der UN-Frauenorganisation UN Women und der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika, Cepal. Der Atlas ermöglicht per Internet den freien Zugang zu Daten zu zehn Themenbereichen wie physische Gewalt, ökonomische und berufliche Ungleichheit, mit insgesamt 85 Indikatoren. Mehrere wichtige Themen fehlen allerdings, unter anderem ist die Statistik zu den Frauenmorden ungenügend und erfasst die als Feminzide verfolgten Morde nicht separat, wie feministische Organisationen kritisieren.

Der Gender-Atlas wurde im mexikanischen Senat vorgestellt, wobei auch die krasse politische Ungleichstellung der Frauen zur Sprache kam. Nur 9,4 Prozent der Gemeindevorstände im Lande sind weiblich. Diese Bilanz sieht trotz andersartiger Rhetorik auch in der Landesregierung nicht besser aus: Im erweiterten Kabinett des Präsidenten Enrique Peña Nieto mit 29 Posten sind nur drei von Frauen besetzt.

Mexiko hat seit den neunziger Jahren die interamerikanische Konvention von Belém do Pará zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen unterzeichnet und seit 2007, im Zuge der internationalen Skandals der Frauenmorde in Ciudad Juárez, ist ein "Gesetz für den Zugang der Frauen zu einem Leben frei von Gewalt" in Kraft. Letzteres sieht den Mechanismus eines "Gender-Alarms" vor, falls Frauen zunehmend Gewalt ausgesetzt sind, um durch politische Maßnahmen gegenzusteuern. Solche Alarme wegen Gewalt gegen Frauen wurden seit 2016 in mehreren Bundesstaaten ausgelöst, doch mit bisher mäßigem Erfolg, wie Menschenrechtsorganisationen kritisierten. Letztlich fußt eines der strukturellen Probleme der Gewalt in der weitgehenden Straflosigkeit.

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