DruckversionEinem Freund senden

Wie London 1982 Psychokrieg gegen Argentinien führte

Geheimunterlagen über Krieg um die Inselgruppe der Malwinen 1982 freigegeben. Großbritannien versuchte "Falkland-Inseln" mit allen Mitteln zu halten
Minenfeld auf den Malwinen – Der Krieg zwischen Argentinien und Großbritannien hat Spuren hinterlassen

Minenfeld auf den Malwinen – Der Krieg zwischen Argentinien und Großbritannien hat Spuren hinterlassen

London/Buenos Aires/Darwin. Kürzlich freigegebene Geheimdokumente aus britischen Regierungsarchiven haben ein bisher nicht bekanntes Niveau psychologischer Kriegsführung im Krieg um die Inselgruppe der Malwinen im Jahr 1982 enthüllt. Daraus geht hervor: Flugblätter und Radioprogramme aus Großbritannien sollten die Moral der argentinischen Soldaten untergraben. Die Folgen des Krieges sind indes noch nicht überwunden. Unlängst erst führten Forensiker des Internationalen Roten Kreuzes DNA-Untersuchungen an den Überresten unbekannter Gefallener durch.

35 Jahre nach dem Krieg um die Malwinen zwischen Argentinien und Großbritannien gab das britische Verteidigungsministerium ein 189-seitiges, ehemals als "streng geheim" klassifiziertes Konvolut frei. Der im britischen Nationalarchiv einsehbare Ordner mit der Signatur "DEFE 24/2254" gibt Einblick in die psychologische Kriegsführung der britischen Streitkräfte im Zuge der Kriegshandlungen. Die von April bis Juni 1982 dauernde militärische Auseinandersetzung kostete 649 argentinischen und 255 britischen Soldaten das Leben und endete am 14. Juni mit der Kapitulation der argentinischen Streitkräfte.

Wie aus dem Dokument hervorgeht, war eine "Gruppe für Spezialprojekte" (Special Projects Group) innerhalb des britischen Verteidigungsministeriums damit beauftragt, Methoden der psychologischen Kriegsführung auszuarbeiten und umzusetzen. Drei spezifische Ziele werden genannt: die britische Entschlossenheit und Übermacht zu vermitteln, die argentinische Bevölkerung von der Unverantwortlichkeit ihrer politischen Entscheidungsträger zu überzeugen und die Demoralisierung der argentinischen Truppen herbeizuführen. Diese Ziele sollten einerseits durch die Verbreitung von Flugblättern, andererseits mittels einer eigenen Radiostation erreicht werden.

Mehrere Flugblätter wurden in einer Auflage von jeweils 12.000 Stück produziert und verbreitet. Ein im Kriegsgebiet abgeworfener "Schutzbrief" (Safe Conduct Pass) gibt Anleitungen zur Desertion. In einem anderen Flugblatt heißt es etwa: "Sie sind völlig auf sich alleine gestellt. Seitens ihres Vaterlandes gibt es keine Hoffnung auf Rettung oder Hilfe. (…) Ihre Familien leben mit der schrecklichen Befürchtung, dass sie Sie nie wiedersehen werden."

Die deklassifizierten Dokumente geben auch Einblick in die sogenannte "Operation Moonshine", im Zuge derer die britischen Truppen für Propagandazwecke eine Radiostation namens "Radio Atlántico del Sur" (RAdS) aufbauten. Im Unterschied zu den eindeutig propagandistischen Flugblättern sollte diese "neutral und unparteiisch" auftreten und der überzogenen argentinischen Propaganda mit "Fakten" entgegnen. Im Hinblick auf die Wirksamkeit der eigenen Propagandamaßnahmen zeigen sich die Verantwortlichen skeptisch. So sei das Programm von RAdS in Spanisch mit mittelamerikanischem Akzent ausgestrahlt worden, was der Identifikation nicht förderlich gewesen sei. Ebenso konnten über die Wirksamkeit der Flugblätter mangels geheimdienstlicher Daten keine Aussagen getätigt werden. Auszüge der deklassifizierten Dokumente können derzeit über die Website psywar.org eingesehen werden.

Indessen hat ein Team von Forensikern des Internationalen Roten Kreuzes Exhumierungen am Militärfriedhof von Darwin auf den Malvinas-Inseln durchgeführt. Dort liegen 237 argentinische Soldaten begraben. 123 von ihnen konnten bislang nicht identifiziert werden. Die Experten entnahmen DNA-Proben, die nun mit den genetischen Daten von Familienangehörigen Vermisster verglichen werden. Gegen Jahresende wird das Rote Kreuz die Untersuchungsergebnisse an die Regierungen von Argentinien und Großbritannien übermitteln.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr

Was Sie auch interessieren könnte ...