Parlament in Guatemala will Heirat Minderjähriger verbieten

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Mädchen in Guatemala sollen besser geschützt werden
Mädchen in Guatemala sollen besser geschützt werden

Guatemala-Stadt. In Guatemala hat das Parlament die Ehe von Minderjährigen unter 18-Jahren verboten. Mit dieser Maßnahme soll der alarmierenden Anzahl von Schwangerschaften bei Kindern und Jugendlichen begegnet werden. Bislang werden in den meisten Fällen minderjährige Mädchen in die Ehe gezwungen, sagte die Kongressabgeordnete Alejandra Carrillo von der liberalen Patriotischen Partei.

2016 brachten nach offiziellen Angaben 27.878 Mädchen zwischen zehn und 17 Jahren Kinder auf die Welt. Das entspricht 6,6 Prozent aller Geburten in jenem Jahr. Gemäß dem Gesundheitsministerium waren im Vorjahr 2.152 Mädchen zwischen zehn und 14 Jahren schwanger geworden.

Als Faktoren für eine solch hohe Zahl von Schwangerschaften von Minderjährigen wird oft der kulturelle Kontext genannt, etwa die Rolle der Frau in der Gesellschaft, Armut und das Bildungsniveau.

Im Jahr 2015 hatte das Parlament bereits ein Gesetz verabschiedet, das die Heirat von Minderjährigen verbot, aber eine Ausnahmeklausel enthielt, die 16-Jährigen eine Heirat erlaubte, wenn sie dies begründen konnten. Laut den Vereinten Nationen hat dieses Gesetz weitere Probleme geschaffen, weil es sexuelle Gewalt, Mädchenhandel und Jugendschwangerschaften begünstigte.

Ob mit diesem neuen Gesetz sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche und die Tradition in vielen ländlichen Gegenden Guatemalas von Ehegemeinschaften zwischen Mädchen und Männern verhindert werden kann, ist fraglich. Der Kongressabgeordnete des von Armut betroffenen ländlichen Departements Huehuetenango, Mike Mérida, verlangte vom Parlament, das Gesetz besonders im Landesinnern bekannt zu machen. Pfarrer, Bürgermeister und Notare müssten besonders sorgfältig informiert werden, damit sie geltendes Recht nicht brechen.

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