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29.08.2017 Kolumbien / Politik

Kongress zur Parteigründung der Farc hat in Kolumbien begonnen

Frühere Guerillabewegung will weiter "für die Schaffung eines demokratischen politischen Systems kämpfen", das Frieden und soziale Gerechtigkeit garantiert
Rund 1.200 Delegierte der Farc nehmen am Kongress teil

Rund 1.200 Delegierte der Farc nehmen am Kongress teil

Quelle: @FARC_EPueblo

Bogotá. Am Sonntag hat in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá der Nationalkongress der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) begonnen. Auf dem vom 27. August bis zum 1. September stattfindenden Event soll nach über 50 Jahren des bewaffneten Kampfs ihre neue politische Partei gegründet werden.

Bei der feierlichen Auftaktveranstaltung waren rund 1.200 Delegierte der Organisation anwesend, die in den kommenden Tagen ein Parteiprogramm ausarbeiten werden. Zudem waren eine Vielzahl nationaler und internationaler Gäste sowie rund 400 Pressevertreter vor Ort.

"Mit diesem Kongress wandeln wir uns in eine neue, ausschließlich politische Organisation um, die ihre Ziele auf legalem Wege verfolgt", erklärte Farc-Anführer Rodrigo Londoño, alias Timochenko, und fügte hinzu: "Das heißt nicht, dass wir unser ideologisches Fundament verraten werden." Die Organisation werde weiterhin für die Schaffung eines demokratischen politischen Systems kämpfen, das Frieden, soziale Gerechtigkeit, die Achtung der Menschenrechte und eine auf das Gemeinwohl ausgelegte wirtschaftliche Entwicklung garantiert.

Luciano Marín, alias Iván Márquez, kritisierte in seiner Rede die schleppende Umsetzung des Friedensvertrags seitens der Regierung. Dabei betonte er, dass bereits 3.000 Farc-Mitglieder dank des Amnestiegesetzes die Gefängnisse verlassen hätten, aber "wir erst ruhen werden, bis sich alle Inhaftierten in Freiheit befinden." Zudem beschwor Marín nochmals den revolutionären Gedanken der neuen Partei. Diese soll starke Präsenz in den ländlichen Gebieten zeigen, in denen die Farc ihre Wurzeln hat, jedoch sollen zunehmend auch Städte in ihren Fokus gelangen.

Der früherere Oberkommandierende der Farc, Rodrigo Londoño, bei seiner kurzen Ansprache zum Auftakt des Kongresses

Quelle: @FARC_EPueblo

In den nächsten Tagen werden die Delegierten über Namen, Ideologie und Programmatik der neuen Partei diskutieren und die Ergebnisse am Freitag auf dem zentralen Bolívar-Platz in Bogotá vorstellen. Zudem soll bekannt gegeben werden, wer in den kommenden zwei Legislaturperioden im Kongress und im Repräsentantenhaus vertreten sein soll. Der Friedensvertrag gesteht den Farc jeweils fünf Sitze in jeder Kammer zu, jedoch zunächst ohne Stimmrecht.

Viele Delegierte zeigten sich optimistisch und euphorisch ein Programm auszuarbeiten, das den Grundstein für ein gerechteres Kolumbien legen soll. Dies geschieht in Arbeitsgruppen, die sich aus jeweils 15 Personen zusammensetzen. Es gibt innerhalb der Farc durchaus unterschiedliche Auffassungen über die politische Zukunft der Organisation.

Noch bevor sich Rodrigo Londoño an die Teilnehmer des Kongresses wandte, wurden Grußworte des Chefunterhändlers der Nationalen Befreiungsarmee (ELN), Pablo Beltrán, übertragen. In dem knapp fünfminütigen Videobeitrag sprach er den Delegierten Mut für die Zukunft zu, betonte Gemeinsamkeiten und versicherte gegenseitige Unterstützung: "Zählt auf uns! Auch wir wissen, dass wir auf euch zählen können." Zurzeit führt die ELN, nun die größte aktive kolumbianische Guerillagruppe, Friedensverhandlungen mit der Regierung.

Der Nationalkongress sollte bereits im Mai stattfinden, verzögerte sich jedoch auf Grund der schleppenden Umsetzung des Friedensvertrages. Am 15. August endete mit der Übergabe der Waffen an die Vereinten Nationen deren erste Phase, in der zweiten soll die politische, soziale und wirtschaftliche Integration der ehemaligen Farc-Mitglieder in das Zivilleben erfolgen. Die Gründung der eigenen Partei ist dabei ein wichtiger Schritt bei der politischen Integration.

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Rund 1.200 Delegierte der Farc nehmen am Kongress teil
Der früherere Oberkommandierende der Farc, Rodrigo Londoño, bei seiner kurzen Ansprache zum Auftakt des Kongresses

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