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Proteste in Chile nach Tod von Migrantin aus Haiti

Gedenken an die 29-jährige Joane F. in Santiago de Chile

Gedenken an die 29-jährige Joane F. in Santiago de Chile

Quelle: @panbecerra

Santiago de Chile. In Chile sorgt der gewaltsame Tod einer Immigrantin aus Haiti für Proteste. Am 30. August wurde Joane F. von den Behörden beschuldigt, ihre Tochter ausgesetzt zu haben. Obwohl die 29-Jährige und ihr Ehemann die Anschuldigung zurückwiesen, wurde die junge Frau verhaftet und starb kurze Zeit später unter bislang ungeklärten Umständen durch Schläge auf den Kopf. Zahlreiche Kerzen erinnerten unlängst auf der Plaza de Armas in der chilenischen Hauptstadt Santiago an die Haitianerin.

Der offiziellen Polizeiversion zufolge hatte sich Florivil aus Verzweiflung darüber, dass sie ihr Kind verlieren würde, die Kopfverletzungen selbst zugefügt, worauf sie umgehend ins Krankenhaus verbracht worden war. Dort sei sie einige Wochen später verstorben. Die Familie zweifelt diese Version jedoch an.

Das Baby wurde in einer Wohngruppe des staatlichen Kinderheims Casa Nacional del Niño untergebracht, eine Einrichtung, die sich im vergangenen Jahr wegen Kindesmissbrauchs verantworten musste. Am 21. November soll über die weitere Zukunft des Kindes entschieden werden, obwohl der Vater sowie die Familie der Verstorbenen die Vormundschaft übernehmen wollen.

In weiten Teilen der chilenischen Gesellschaft wurde der Fall als ein rassistisch motiviertes Verbrechen eingestuft. Nach Ansicht des Instituts für Menschenrechte INDH (Instituto de Derechos Humanos) zeigt sich in diesem Vorfall "die ganze Palette bestehender Vorurteile und die herrschende Voreingenommenheit. Die Menschenrechte werden nicht angemessen berücksichtigt und ein faires Verfahren findet nicht statt."

Im Rahmen einer Gedenkfeier wurde die Rückgabe des Kindes an die Familie gefordert. Das Baby befindet sich derzeit in staatlicher Obhut. Die haitianische Gemeinschaft in Chile ist in den letzten zehn Jahren gewachsen. Dennoch gebe es immer noch Diskriminierung und Gewalt gegenüber Eingewanderten aus Haiti, weil sie eine andere Sprache sprechen, eine andere Hautfarbe haben oder einfach weil sie arm seien, so die Organisation "Feliz der ser Haitiano".

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