Protest gegen deutsche Flughafengesellschaft Fraport in Brasilien

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Die Stadt Porto Alegre in Brasilien hat einen Flughafen an die deutsche Fraport verkauft – und nun werden rund 6.500 Vertreibungen befürchtet
Die Stadt Porto Alegre in Brasilien hat einen Flughafen an die deutsche Fraport verkauft – und nun werden rund 6.500 Vertreibungen befürchtet

Porto Alegre/Frankfurt. Der deutsche Flughafenbetreiber Fraport hat kürzlich den Airport Salgado Filho in Porto Alegre im Süden Brasiliens für 25 Jahre übernommen und verspricht Investitionen. Allerdings regt sich gegen das Vorhaben nun Protest, weil angrenzende Wohngebiete umgesiedelt werden sollen.

Der deutsche MDAX-Konzern Fraport AG hat mit Januar 2018 den brasilianischen Flughafen für 382 Millionen Reais (98 Millionen Euro) übernommen. Der Pachtvertrag läuft über 25 Jahre. Das Unternhemen wird mehrheitlich vom Land Hessen (31,32 Prozent), der Stadt Frankfurt (20 Prozent) und der Lufthansa (8,45 Prozent) gehalten und verspricht Investitionen in Höhe von mindestens 600 Millionen Reais. Medien in Brasilien spekulierten, die Summe könne sich in Zukunft gar auf knapp zwei Milliarden Reais belaufen.

Nach den Plänen von Fraport soll die Landebahn auch für größere Flugzeuge erweitert werden. Für die Verlängerung der bestehenden Piste von 2.280 Meter auf 3.200 Meter müssen bis Oktober 2019 rund 6.500 Menschen der benachbarten Favelas zwangsumgesiedelt werden. Doch die Bewohner dort wehren sich.

Seit 2008 in Brasilien die ersten gigantischen Infrastrukturprojekte im Rahmen der Fußballweltmeisterschaft 2014 im ganzen Land Gestalt annahmen, war der Ausbau des Flughafens von Porto Alegre eine ausgemachte Sache. Zwischen 2009 und 2012 wurden aus dem Stadtteil Vila Dique die ersten 900 Familien, knapp 4.000 Menschen, umgesiedelt. Doch die restlichen Familien, von denen viele dort seit 40 Jahren leben, weigerten sich. Schnell sprach sich herum, wie das neue Wohnviertel aussah.

Die Vorsitzende der Widerstandsbewegung Vila Dique Resiste, Sheila Mota, berichtet, dass die Ersatzhäuser mit 38 Quadratmeter viel zu klein für Familien waren, die oftmals zu zehnt dort wohnen müssen. "Von diesen 900 Familien sind etliche wieder zurück zur Vila Dique gekommen. In Porto Novo gibt es zu viel Gewalt und keine Arbeit", so Mota. Die meisten arbeiten als Müllsammler oder in Recyclingfabriken, dies sei in der neuen Gegend aber nicht möglich.

Die Anwohner haben die Staatsanwaltschaft und Aktivisten kontaktiert und leisten seit 2009 Widerstand gegen die Räumungsandrohungen der Stadt. Die Staatsanwaltschaft geht rechtlich gegen die drohenden Zwangsräumungen vor, und Architekten setzen sich mit den Anwohnern zusammen, um alternative Widerstandspläne zu erarbeiten. Diese sollen sicherstellen, dass das Gelände vor Räumung geschützt ist. Hierzu bedarf es allerdings auch eines Besitztitels über die betroffenen Flächen, der vor Gericht erwirkt werden muss.

In den letzten Jahren lagen die Ausbaupläne für die Flugpiste brach, auch weil die finanziellen Mittel dafür fehlten. "Nun aber wird es aller Voraussicht nach ernst", so Mota weiter, "denn nun haben sie den Flughafen an die deutsche Firma verkauft." Wird die Landepiste wie vorgesehen erweitert, dann käme es zu Massenumsiedlungen aus den Favelas. Der Stichtag wird dann vermutlich im Oktober 2019 liegen.

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