Kolumbien: Seit Jahresbeginn 1.000 neue Binnenflüchtlinge

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UNHCR-Vertreter im Gespräch mit Vertriebenen in Kolumbien. In dem südamerikanischen Land gibt es 7,4 Millionen Binnenflüchtlinge
UNHCR-Vertreter im Gespräch mit Vertriebenen in Kolumbien. In dem südamerikanischen Land gibt es 7,4 Millionen Binnenflüchtlinge

Bogotá. Das Hochkommissariat für Menschenrechte der Vereinten Nationen (UN) in Kolumbien und der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge haben gewaltsame Vertreibungen und Menschrechtsverletzungen in Kolumbien angeprangert. Man sei besorgt über die Vorfälle die sich in den letzten Wochen ereignet haben, heißt es in einer am 18. Februar veröffentlichten gemeinsamen Stellungnahme.

Vor allem im Department Antioquia mussten bis zum 19. Januar nach UN-Angaben mindestens 822 Personen (461 Erwachsene, 361 Kinder und Jugendliche) aus den Landkreisen Cáceres und Caucasia flüchten. Betroffen sind außerdem Gemeinden aus Anará, San Francisco und Bejuquillo. Auch aus El Tigre, Ponciano, Alto Tamaná, Campanario und El Calvario wurden Fluchtbewegungen gemeldet.

Des weiteren weisen die UN-Vertreter auf die alarmierende Zahl der Morde an Menschenrechts- und Friedensaktivisten sowie Bürgervertretern hin, die in den ländlichen Gemeinden seit Beginn des Jahres 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum vom 1. Januar bis zum 14. Februar um 255 Prozent zunahmen. Besondere Gefahr herrscht demnach in den Departments Antioquia, Córdoba, Cauca und Boyacá.

In Bajo Cauca beobachteten die UN-Organisationen "Drohungen und Attentate gegen das Leben und die körperliche Unversehrtheit von Zivilpersonen, Verletzungen von wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechten und Angriffe auf angestammte religiöse Praktiken der Senú-Indigenen in ihrem Gebiet".

Die UN-Organisationen erkennen die bisherigen Bemühungen der Institutionen an, humanitären Forderungen entgegenzukommen. Doch seien diese unzureichend, da sich die Lage weiter verschlechtert. "Insbesondere fordern wir den Staat nachdrücklich auf, sicherzustellen, dass die personellen und finanziellen Ressourcen ausreichen, um den gegenwärtigen humanitären Notstand zu bewältigen und Bedingungen für die Achtung der Menschenrechte und der menschlichen Sicherheit zu schaffen. Darüber hinaus fordern wir dringend eine umfassende Strategie für die Gewaltprävention, für den Schutz der Einwohner und für Sicherheitsgarantien, damit sich die Menschenrechtsverletzungen, insbesondere im Gebiet Cauca, nicht wiederholen".

Auch Amnesty International (AI) äußerte sich unlängst ähnlich. In einem Bericht vom 23. Januar nannte die Organisation die Zahl von über tausend Vertriebenen im gleichen Zeitraum, da sie noch weitere Vorfälle registrierte. AI fordert die Regierung von Präsident Juan Manuel Santos "nachdrücklich auf, den Zugang zu humanitärer Soforthilfe für die vertriebenen Personen" und deren umfassende Betreuung durch die Opferorganisation Unidad de Victimas zu garantieren. Weiter heißt es: "Ebenso betonen wir erneut, dass der kolumbianische Staat die Bevölkerung, die weiterhin Opfer des bewaffneten Konflikts ist, schützen muss. In mehreren Regionen des Landes besteht er nach wie vor fort".

Kolumbien rangiert mit 7,4 Millionen offiziell registrierten Binnenflüchtlingen im Jahr 2017 an erster Stelle weltweit. Es steht damit noch vor dem umkämpften Kriegsgebiet Syrien mit 6,6 Millionen.

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