Bergbauprojekt Río Blanco in Ecuador nach Protesten suspendiert

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Aktivistinnen und Aktivisten feiern den Stopp des Bergbauprojektes Río Blanco.
Aktivisten rund um Ecuarunari-Präsident Yaku Pérez feiern die Entscheidung des Zivilgerichts Cuenca, das Río-Blanco-Projekt in Ecuador zu suspendieren

Cuenca, Ecuador. Wegen anhaltender Proteste hat Paul Serrano, Richter am Zivilgericht in Cuenca, die Konzession des Bergbauprojektes Río Blanco am 1. Juni suspendiert. Diese verstoße gegen das Recht auf eine vorherige Anhörung betroffener Gemeinden (consulta previa), das in der ecuadorianischen Verfassung verankert ist. Mit dem Beschluss ist das chinesische Unternehmen Junefield/Ecuagoldmining dazu angehalten, die Exploration der Gold- und Silbermine bis auf Weiteres einzustellen. Das Urteil sieht zudem den sukzessiven Rückzug der knapp 300 dort stationierten Militärs vor.

Río Blanco im südlichen Ecuador zählt zu den fünf strategischen Bergbauprojekten im Andenstaat, die die ecuadorianische Regierung seit Gründung des Bergbauministeriums im Jahre 2015 fördert. In der etwa 5.700 Hektar umfassenden Konzession begann Ecuagoldmining 2016 die Phase der Exploration. Ab Ende 2018 sollten hier bis zu 800 Tonnen Goldgestein pro Tag gefördert werden.

Bewohner der Gemeinden Chaucha und Molleturo und die indigene Organisation Ecuarunari protestieren verstärkt seit Anfang Mai gegen die Verschmutzung des Rio Blanco, der sowohl Cuenca als eine der größten Städte Ecuadors mit Trinkwasser versorgt, als auch als Schutzzone des in der Nähe gelegenen Cajas-Nationalpark fungiert. Ecuarunari, der Dachverband zur Vertretung der Rechte der Kichwa-Indigenen, hatte den Fall vor Gericht gebracht und auf die fehlende Anhörung der Gemeinden vor Beginn des Bergbauprojektes verwiesen. Das nun gefällte Urteil bedeutet allerdings nicht den endgültigen Stopp der Mine, sondern ordnet lediglich die Anhörung der Gemeinden an. Wenn diese erfolgt sein wird, könnten die Aktivitäten unter Umständen wiederaufgenommen werden.

Yaku Pérez, Präsident von Ecuarunari, sagte, die Entscheidung sei ein überaus wichtiger Meilenstein für den Widerstand und historisch. Es sei das erste Mal, dass ein Richter zugunsten der protestierenden Gemeinden statt des Staates oder eines transnationalen Unternehmens entschieden habe. "Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan", kommentierte auch Marcelo Cabrera, Bürgermeister von Cuenca. Eine Stellungnahme des Bergbauunternehmens Junefield blieb bisher aus.


In einer früheren Version stand fälschlicherweise, es sollten 800 Tonnen Gold täglich gefördert werden. Diese Angabe war aus einer spanischsprachigen Quelle falsch übernommen. Richtig ist, dass 800 Tonnen Goldgestein gefördert werden sollen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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