US-Funktionär bestätigt: Donald Trump plante Invasion in Venezuela

US-Agentur zitiert Diplomaten zu Drohungen. Idee stieß auf breite Ablehnung. Pläne seit August 2017 bekannt. Morales bestätigte Werbeversuche

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Donald Trump und die Präsidenten von Brasilien, Panama, Kolumbien und Argentinien in Begleitung von weiteren Regierungsvertretern beim privaten Abendessen im September 2017
Donald Trump und die Präsidenten von Brasilien, Panama, Kolumbien und Argentinien in Begleitung von weiteren Regierungsvertretern beim privaten Abendessen im September 2017

Washington. Erstmals haben US-amerikanische Quellen bestätigt, dass US-Präsident Donald Trump im August vergangenen Jahres mehrfach in den USA und gegenüber lateinamerikanischen Regierungen eine Militärintervention in Venezuela vorgeschlagen hat. Dies habe ein hochrangiger US-amerikanischer Regierungsfunktionär am Mittwoch bestätigt, berichtet die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Der Mann wolle "wegen des sensiblen Charakters der Diskussionen" anonym bleiben, so AP. Amerika21 hatte bereits im August 2017 über die Drohungen berichtet und im April dieses Jahres unter Bezugnahme auf lateinamerikanische Medien über entsprechende Kritik des bolivianischen Präsidenten Evo Morales geschrieben.

Dem US-Funktionär zufolge hat Trump sich bei einer Zusammenkunft am 10. August 2017 mit dem damaligen US-Außenminister Rex Tillerson und dem Nationalen Sicherheitsberater H.R. McMaster – auch er ist heute nicht mehr im Amt – sowie weiteren Regierungsangehörigen entsprechend geäußert. Die Anwesenden hätten dem Präsidenten jedoch erklärt, wie eine Militäraktion nach hinten losgehen und dazu führen könnte, die Unterstützung der lateinamerikanischen Regierungen zu verlieren. Trump habe dagegen auf "Fälle der erfolgreichen Kanonenbootdiplomatie in der Region" verwiesen, wie die Invasionen in Grenada (1983) und Panama (1989). Anweisungen für konkrete Planungen einer Militäroperation habe er nicht erteilt. Am 11. August erklärte er aber gegenüber der Presse, es gebe mehrere Handlungsvarianten, um auf die Krise in Venezuela zu reagieren und Maduro aus dem Amt zu bringen, "darunter eine militärische Option, falls nötig".

Wie AP berichtet, hat Trump kurz darauf mit seinem kolumbianischen Amtskollegen Juan Manuel Santos und bei einem privaten Essen am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen im September auch mit weiteren lateinamerikanischen Staatschefs über das Thema gesprochen.

Der US-Beamte sagte weiter, Trump sei ausdrücklich gebrieft worden, die Sache nicht anzusprechen, da dies "nicht gut ankommen würde". Aber das erste, was der Präsident beim Abendessen erklärte hätte, sei gewesen: "Mein Personal sagte mir, ich soll darüber nicht reden." Dann sei er umher gegangen und habe alle Präsidenten einzeln gefragt, ob sie sicher seien, dass sie keine militärische Lösung wollen – und jeder habe Trump dies deutlich bestätigt.

Das Weiße Haus lehnte es laut AP ab, dies zu kommentieren. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates habe jedoch bekräftigt, dass die USA "alle ihr zur Verfügung stehenden Optionen prüfen werden, um die Demokratie in Venezuela wiederherzustellen und Stabilität zu schaffen".

Venezuelas Präsident reagierte bei einer öffentlichen Ansprache vor Militärangehörigen auf diese Berichte und forderte die Streitkräfte des Landes zur Wachsamkeit auf. Venezuela werde das Recht des Volkes verteidigen, "in Frieden, in Würde und mit unserer eigenen Identität zu leben", sagte Maduro.

Amerika21 hatte bereits im Mitte August 2017 darüber berichtet, dass sich zahlreiche Staaten Lateinamerikas kritisch zu militärischen Drohung des US-Präsidenten gegen Venezuela geäußert haben. Trump hatte damals erstmals öffentlich eine militärische Reaktion auf die Krise in Venezuela ins Spiel gebracht. Konkrete Pläne für eine militärische Intervention gab es aber offensichtlich nicht. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums sagte, es gebe derzeit keine entsprechenden Anweisungen der Regierung.

Im April hatte Boliviens Präsident Evo Morales die folgenden internen Werbeversuche des US-Präsidenten bestätigt. Ein namentlich von ihm nicht benannter Amtskollege habe ihm gegenüber bestätigt, dass Trump im September vergangenen Jahres auf eine militärische Intervention von Regionalstaaten in Venezuela gedrängt hat. "Wir mussten wie gewöhnlich in einem VIP-Raum warten und dabei berichtete mir ein Präsident im Beisein eines weiteren, wie Trump um eine Militärintervention gebeten hatte", so Morales. Er habe sich erinnert, dass der US-Präsident damals mit vier südamerikanischen Staatschefs zusammengekommen war, fügte er in der Politsendung "Dossier" des lateinamerikanischen Fernsehsenders Telesur an. Trump war damals in New York mit den Präsidenten von Brasilien, Panama, Kolumbien und Argentinien zusammengekommen.

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