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Mapuche-Anführer Celestino Cordova in Chile erneut im Hungerstreik

Celstino Cordova befindet sich in Chile seit Ende Mai wieder im Hungerstreik und erhält dafür viel Unterstützung

Celstino Cordova befindet sich in Chile seit Ende Mai wieder im Hungerstreik und erhält dafür viel Unterstützung

Temuco. Celestino Cordova, ein führender Vertreter der indigenen Mapuche in Chile, ist seit fast 50 Tagen wieder im Hungerstreik. Cordova hatte bereits Anfang des Jahres nach 102 Tage eine entsprechende Protestaktion erfolglos abgebrochen. Er protestiert damit gegen seine seit 2013 andauernde Inhaftierung. Cordova wurde wegen seiner angeblichen Beteiligung am Brandanschlag auf das Anwesen der Großgrundbesitzerfamilie Luchsinger-Mackay zu 18 Jahren Haft verurteilt. Dabei war das Ehepaar Luchsinger-Mackay ums Leben gekommen.

Der Fall hatte eine Reihe intensiver Ermittlungen nach sich gezogen, in deren Folge viele Mapuche-Aktivisten in Untersuchungshaft genommen wurden. Bis auf Cordova wurde niemand verurteilt. Im Oktober vergangenen Jahres wurden elf Beschuldigte wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Die Zeugenaussagen, auf die sich die Anklage beruft, waren laut Gericht widersprüchlich und vermutlich unter widerrechtlichen Bedingungen zustande gekommen.

Cordova hatte am 31. Mai erneut einen Hungerstreik aufgenommen. Sein gesundheitlicher Zustand verschlechtert sich täglich. Seine Unterstützergruppe auf Facebook schreibt, dass ihm medizinische Hilfe verweigert werde, er schon mehrfach das Bewusstsein verloren und keine Kraft mehr habe, sich zu bewegen. In einem am 4. Juli veröffentlichten Audiomitschnitt erklärte Cordova: "Ich habe mich dazu entschlossen, wenn nötig, bis hin zu meinem Leben alles zu geben." Seinen ersten Streik hatte Cordova abgebrochen, nachdem die Regierung angekündigt hatte, nicht mit ihm zu verhandeln, wenn er seinen Protest nicht beenden würde. Aber auch nach dem Abbruch wurde der Dialog nicht wieder aufgenommen.

Aus den sozialen Bewegungen erhält Cordova viel Unterstützung, vor allem in den Städten Santiago und Temuco gibt es zahlreiche Solidaritätsbekundungen. Für Kritik sorgte die gewaltsame Räumung einer in der Gefängnissporthalle abgehaltenen Zeremonie am 9. Juli, bei der nach Angaben von Aktivisten mehr als 20 Personen verletzt wurden.

Mit dem Hungerstreik will Cordova erreichen, dass er zumindest vorübergehend die Möglichkeit bekommt, seine Funktion als religiöser Führer ausüben zu können. Zudem fordert er, dass ihm und anderen gefangenen Mapuche gestattet wird, innerhalb des Gefängnisses gemeinsam ihren Glauben auszuüben. Neben diesen direkten Forderungen will er auch erreichen, dass die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation, die die Rechte indigener Völker regelt und der Chile beigetreten ist, überall im Land und somit auch in den Gefängnissen angewandt wird. Darüber hinaus sollen alle inhaftierten Mapuche, die aufgrund politischer Verfolgung im Gefängnis sitzen, freigelassen und das vom chilenischen Staat geraubte Land an die indigene Gemeinschaft zurückgegeben werden.

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