Argentinien / Kultur

Argentinien steht Kopf nach Krawallen wegen Fußballspiel River Plate gegen Boca Juniors

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Nach den Krawallen vor dem Final-Rückspiel zwischen den Rivalen River Plate und Boca Juniors: "Superschande" - "Superspiel Suspendiert"
Nach den Krawallen vor dem Final-Rückspiel zwischen den Rivalen River Plate und Boca Juniors: "Superschande" - "Superspiel Suspendiert"

Buenos Aires. Der Sicherheitsminister von Buenos Aires, Martín Ocampo, ist nach Krawallen vor dem Final-Rückspiel der Copa Libertadores zwischen River Plate und Boca Juniors zurückgetreten.

Am vergangenen Samstag hatten Fans von River Plate den Teambus der Boca Juniors mit Steinen und Tränengas angegriffen, einige Spieler wurden verletzt. Die Partie der Stadtrivalen aus Buenos Aires beim südamerikanischen Vereinsfußballwettbewerb wurde zweimal verschoben, dann zunächst um einen Tag verlegt. Nun steht fest: das Datum ist offen und das Rückspiel wird nicht in Argentinien stattfinden

Ein Sündenbock für die Krawalle war schnell gefunden. Bürgermeister Horacio Rodríguez Larreta beschuldigte die Barras Bravas, radikale Fangruppen. Nachdem Präsident Mauricio Macri ihn beschuldigt hatte, das Land "weltweit zu blamieren", rollte der Kopf des Ministers für Sicherheit. "Die Operation hätte klar besser laufen müssen" erklärte Larreta, als er die Entlassung bekannt gab. Angesichts des am Freitag beginnenden G20-Gipfels in Buenos Aires kam das einem Offenbarungseid gleich: Ein Minister, der die Sicherheit bei einem Fußballspiel nicht garantieren konnte, verantwortet das Sicherheitskonzept des Treffens der Staats-und Regierungschefs?

Macri, der mit Larreta hart ins Gericht gegangen war, beschwichtigt indes auf internationaler Ebene: Der Schutz der G20-Teilnehmer sei gewährleistet, die Sicherheitsmaßnahmen würden "ohne Unannehmlichkeiten" durchgeführt.

Genau das bezweifelt Diego Maradona. Der argentinische Ex-Fußballstar kritisiert den Präsidenten heftig. Macri sei ein Desaster: "Unzweifelhaft der schlechteste Präsident, den Argentinien je gehabt hat", sagte er. "In Argentinien gibt es keine Sicherheit. Heute ist es ein Horror, auf den Fußballplatz zu gehen".

Der G20-Gipfel ist in den Hintergrund gerückt, der Fußball und die Krawalle beherrschen die Schlagzeilen.

Sportjournalist Luciano Olivero betrachtet den Fußball als Abbild der Gesellschaft: Hier wie dort dominierten Frustration, Gewalt, Spaltung, Intoleranz und Korruption. "Wenn Du nicht meinem Klub oder meiner Partei angehörst, bist Du ein Gegner und ich hasse Dich", so der Reporter. "Das Problem ist nicht der Fußball, das Problem ist Argentinien."

Die Barras Bravas wehren sich und bringen Studien bei, die belegen, dass es nicht mehr nur die radikalen Fans sind, die sich an Ausschreitungen beteiligen, sondern immer mehr "normale Leute". In Argentinien sei Gewalt im Fußball ein strukturelles Element an dem alle, Spieler, Vereine, Presse und Fans teilhaben. Auch reißerische Schlagzeilen wie "Das Weltuntergangs-Finale" oder Äußerungen von Vereinsoberen und Politikern wie "Wir werden ihnen den Arsch aufreißen", "Die werden sich zwanzig Jahre nicht von diesem Spiel erholen", zeigten dies.

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