Brasilien: Volkswagen-Manager mit Verbindung zu ultrarechtem Politiker

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Beim weltberühmten Karneval in Rio ehrte die Gruppe Mangueira das Gedenken an Marielle Franco im Sambadromo
Beim weltberühmten Karneval in Rio ehrte die Gruppe Mangueira das Gedenken an Marielle Franco im Sambadromo

Rio de Janeiro/Berlin.  Die Nähe eines Volkswagen-Managers zum ultrachten Gouverneur von Rio de Janeiro, Wilson Witzel, ist bei deutschen Nichtregierungsorganisationen auf scharfe Kritik gestoßen. Wie aus einer gemeinsamen Pressemitteilung des Dachverbandes Kritischer Aktionärinnen und Aktionäre, des Vereins Kooperation Brasilien und der Brasilieninitiativen aus Freiburg und Berlin hervorgeht, hat Roberto Cortes, CEO von Volkswagen Caminhões e Ônibus, dem neuen Gouverneur Witzel bei einem Treffen in Berlin die Hand geschüttelt und ihm neue, weitreichende Investitionen versprochen.

Cortes habe gleich nach der Wahl von Jair Bolsonaro zum Präsidenten Brasiliens erklärt, die letzte kompetente Investition in Infrastruktur sei unter der Militärdiktatur vor 50 Jahren geschehen. Witzel seinerseits wolle Polizisten, die im Dienst töten, einen Freifahrtschein erteilen: Er habe sich positiv über die Polizeimassaker im Morro do Fallet und Morro dos Prazeres in Rio de Janeiro geäußert, bei dem 15 Favelabewohner von der Polizei erschossen wurden. Zudem habe er für Rio ein "Gefängnis à la Guantánamo" gefordert. Wenige Tage vor den dortigen Gouverneurswahlen 2018 stand er auf einer Wahlkampfkundgebung neben zwei Kandidaten seiner Partei auf der Bühne, als einer beiden unter lautem Gejohle ein Schild zum Gedenken an Marielle Franco demonstrativ zerrissen hat. Witzel applaudierte und feixte. Er sei "einer der prominentesten Vertreter dieser Riege an Politikern, deren Sprache faschistische Politik erst fordert und dann selbst direkt mitbefördert", heißt es weiter in der Mitteilung.

"Wie kann ein hochrangiger Volkswagen-Manager wie Roberto Cortes erfreut lächelnd einem solchen Politiker die Hand schütteln? Wie kann Volkswagen einen solchen Manager wie Roberto Cortes weiter beschäftigen?", fragen die Verfasser

Die Nähe zwischen Witzel und dem hochrangigen Volkswagen-Manager Cortes sei offensichtlich, so die Verfasser weiter. Die Volkswagen AG müsse einen "minimalsten humanistischen Standpunkt" einnehmen. "Kein Händeschütteln von Volkswagen-Managern mit Politikern, die über die Ermordung der brasilianischen Menschenrechtsaktivistin Marielle Franco öffentlich johlend und feixend gegrinst haben und der Verunglimpfung dem Andenken Verstorbener massiv und aktiv Vorschub geleistet haben", fordern sie in dem Schreiben.

Am 14. März 2019 jährt sich die Ermordung Marielle Francos und ihres Fahrers Anderson Gomeszum ersten Mal. Sie war eine linke, schwarze, lesbische, aus der Favela stammende Menschenrechtsaktivistin und Stadträtin in Rio de Janeriro. Noch immer wurden weder die Täter noch die eigentlichen Hintermänner verhaftet. Vermutlich reicht die Verantwortung die bis in höchste Politiketagen. Anlässlich des Frauentages protestierten tausende Frauen in Brasilien und forderten die Aufklärung der Morde.

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