Unmenschliche Bedingungen für Frauen als Hausangestellte in Honduras

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Das Netzwerk der Hausangestellten will der Arbeit Würde geben und die Rechte der Frauen schützen
Das Netzwerk der Hausangestellten will der Arbeit Würde geben und die Rechte der Frauen schützen

Tegucigalpa, Honduras. Übermäßig viel Arbeit, niedrige Entlohnung, schlechte Behandlung, Diskriminierung, das Fehlen von Arbeitsrechten und mangelnde Bildungsmöglichkeiten – das sind die Hauptprobleme von mehrheitlich Frauen, die in Honduras als Hausangestellte arbeiten.

Nacha (Putzi), muchacha (Mädchen), criada (Magd), gata (Katze) und sirvienta (Dienerin) sind einige der abfälligen und diskriminierenden Bezeichnungen, mit denen Tag für Tag tausende Frauen belegt werden, die mit ihrer Arbeit bei wohlhabenden Familien zur Volkswirtschaft beitragen. "Wir sind niemals Dienerinnen, sondern immer Hausangestellte gewesen", erklärt mit Stolz Gabriela Pineda, Dienstangestellte und Mitglied der Politischen Kommission des Netzwerks der Hausangestellten in einem Interview mit der Zeitung La Prensa. "Die Bedingungen, unter denen wir arbeiten, sind unmenschlich, wir genießen keinerlei Schutz", fährt die junge Frau fort.

"Wir sind Opfer bis hin zur sexuellen Gewalt, denn unsere Arbeitgeber sehen uns als minderwertig an", berichtet Pineda bei einer Anhörung im Parlament. Sie fordert die Abgeordneten dazu auf, ein Gesetz zu ihrem Schutz zu verabschieden. Im Arbeitsgesetz fehlen Festlegungen bezüglich freier Tage. Feiertage wie sogar der Nationalfeiertag gelten nicht für Hausangestellte. Sie haben zwar Anspruch auf täglich zehn Stunden absoluter Ruhe, von denen zumindest acht Stunden Nachtruhe sein sollen, jedoch wird dies nicht immer eingehalten.

Die Angestellte ist in einem Netzwerk organisiert, das Informationen über die Arbeitsbedingungen zusammengetragen hat. Die Frauen treffen sich an den freien Tagen, um ihre bitteren Erfahrungen auszutauschen. In den letzten Jahren haben sich die Hausarbeiterinnen ihre eigenen Organisationsstrukturen geschaffen und erhalten Unterstützung vom Frauenforschungszentrum Honduras (Cem-H) und der Schweizer Organisation Brücke · Le pont. Im vorigen Monat legte das Netzwerk der Hausangestellten eine Untersuchung über die bezahlten Hausarbeiterinnen vor. Untersucht wurde die Situation in den Städten Tegucigalpa und San Pedro Sula.

Laut der jungen Frau legen die Arbeitgeber ihren Angestellten Hindernisse in den Weg, wenn diese sich weiterbilden wollen. Das Institut Irene Reyes Valanzuela in der Hautpstadt zum Beispiel öffnet seine Türen an zwei Tagen in der Woche für einen kostenlosen Besuch, aber sehr wenige Frauen können davon Gebrauch machen.

2008 wurde ein Dekret erlassen, aufgrund dessen die Arbeitgeber ihre Hausangestellten bei der Nationalen Sozialversicherung registrieren lassen müssen. Allerdings sind seitdem nur zwei Frauen eingeschrieben worden.

Hausangestellte arbeiten zudem ohne gesetzlichen Schutz, der ihnen einen Mindestlohn garantieren würde. Der niedrigste Lohn für Hausangestellte, die nicht in dem Haushalt schlafen an dem sie arbeiten, beläuft sich in Honduras auf 4.000 Lempira (rund 146 Euro). Es gibt kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld.

Eine der Hoffnungen der Hausarbeiterinnen ist ein Gesetzesvorschlag von Sara Medina, Abgeordnete der Partei "El Paraíso". Dieser wurde bereits in einer ersten von drei vorgeschriebenen Lesungen gebilligt. Aber auch diese Gesetzesinitiative sieht keine Festlegung eines Mindestlohns vor.

Der Film "Roma" des mexikanischen Regisseurs Alfonso Cuarón hat für das Thema der Hausangestellten Aufmerksamkeit erregt. Im Mittelpunkt des Films steht die Hausangestellte Cleo, sie ist Mixteco-Indigene. Der Film wurde für zehn Oscars nominiert und gewann in den Kategorien beste Regie, bester fremdsprachiger Film und beste Kamera.

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