Journalistische Studie: Brasilien für Umweltaktivisten am gefährlichsten

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Cover der Studie "Land der Widerständigen"
Cover der Studie "Land der Widerständigen"

Lima/Bogotá et al. Laut einer kürzlich veröffentlichten journalistischen Studie sind in den vergangenen zehn Jahren mit Abstand die meisten Übergriffe auf Umweltaktivisten in Brasilien erfolgt. Für Lateinamerika sind demnach im Zeitraum insgesamt 1.179 Angriffe zu verzeichnen, während in lediglich 50 dieser Fälle ein gerichtliches Urteil gegen die Täter erlassen wurde.

Die investigative Studie mit dem Titel „Land der Widerständigen“ (Tierra de Resistentes) wurde vergleichend für die Länder Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Guatemala, Mexiko und Peru erstellt und mit Mitteln der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) finanziert. Ebenfalls maßgeblich beteiligt waren die Deutsche Welle Akademie sowie die Redaktionsleitung der Nachrichtenagentur Efe. „Als wir entschieden haben, dass es sich hier um ein Menschenrechts-Thema handelt, welches auch soziale Aktivisten betrifft, haben wir die Listen der UN hinzugezogen. Fünf der Länder, die Teil dieses Projektes sind, stehen an den ersten Stellen, was die Anzahl der Ermordungen von sozialen Aktivisten angeht“, erklärte Dora Montero, Vorsitzender der Efe-Redaktionsleitung.

In den Jahren 2016 und 2017 konnte das journalistische Autorenkonsortium mehr als ein Viertel aller Fälle registrieren, während für 2018 noch nicht alle staatlichen Statistiken vorliegen. Auch im Allgemeinen bemängelt die Studie die Datenlage sowie Transparenz seitens der lateinamerikanischen Behörden.

In Folge der weit mehr als Tausend Angriffe auf Aktivisten, die häufig Anbauflächen oder Landstriche gegen meist industrielle Landwirtschaft oder Minenabbau verteidigt haben, sind mindestens 375 Todesopfer zu beklagen. Mit 754 Übergriffen ist Brasilien das lateinamerikanische Land mit den meisten erfassten Vorfällen, gefolgt von Mexiko mit 222 und Kolumbien mit 180. Für Bolivien sind auf dem letzten Rang 18 Fälle zu nennen.

Besonders kritisch ist die Situation in Brasilien, seitdem der amtierende rechtsextreme Präsident des Landes, Jair Bolsonaro, bereits im Wahlkampf vergangen Jahres die Verteidigung des eigenen Landbesitzes mit Waffengewalt öffentlich billigte. Er bekräftigte erst kürzlich sein Vorhaben, den Erwerb von Handfeuerwaffen bald erleichtern zu wollen.

Bei Angriffen auf indigene und Afro-Gemeinden wurden 177 Angriffe gezählt. Auch hier ist Brasilien mit 35 Angriffen das Land mit den meisten Übergriffen in den letzten fünf Jahren. In Mexiko sind im gleichen Zeitraum 30 Angriffe gezählt worden. In den vergangenen Jahren war dort die ethnische Gruppe der Nahua am stärksten betroffen.

"Zielscheibe von 56 Prozent der Gewalttaten waren ethnische Minderheiten. Dies zeigt, dass die Gebiete von Indigenen und Afros besonders im Zentrum solcher kriminellen Interessen stehen", so der Bericht. Beunruhigend bleibt, dass nur 50 der Attacken mit einem rechtskräftigen Urteil endeten. In 274 weiteren Fällen wird noch ermittelt. Das ist ohne Zweifel ein klarer Hinweis auf die allgemeine Straflosigkeit, die meist auf Aggressionen gegenüber Umweltaktivisten in Lateinamerika folgt.

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