Venezuela / Kolumbien

Enthauptungen an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela

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Paramilitärische Banden verbreiten Terror im Bezirk Ureña an der Grenze zwischen Venezuela und Kolumbien
Paramilitärische Banden verbreiten Terror im Bezirk Ureña an der Grenze zwischen Venezuela und Kolumbien

Caracas/Bogotá. Die Gewalt entlang der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela ist in den letzten Monaten zusehends gestiegen. Venezolanische Behörden haben seit Mai in der Zone mehrere enthauptete Körper entdeckt. Der letzte Fund geschah letzte Woche, als  Militärs fünf Venezolaner beim Transport von Säcken mit drei Menschenköpfen aus Kolumbien in Venezuela gefasst haben. In den Säcken befanden sich auch Flugblätter mit dem Logo "Vereinte Selbstverteidigungsgruppen Kolumbiens und Venezuelas" (AUCV). Dahinter vermuten Nichtregierungsorganisationen eine Einschüchterungsstrategie paramilitärischer Drogenbanden gegen die kolumbianische Guerilla Nationale Befreiungsarmee (ELN).

Im Juni war die Leiche eines ELN-Mitglieds zerstückelt worden. Die Teile des Körpers sind an unterschiedlichen Orten der venezolanischen Kleinstadt Ureña verteilt worden. Der Kopf wurde gegen den Hauptsitz der Bolivarischen Nationalgarde (GNB) geschleudert. Auf einem der Körperteile lag ein Zettel, auf dem es hieß, dass "dieser Guerillero" Ureña attackiert hätte und ein Verbündeter der GNB und der venezolanischen Kriminalpolizei (CICPC) gewesen sei.

Ende Mai hatte der kolumbianische Paramilitär "El Paisa", der sich als Oberkommandant der Selbstverteidigungsgruppe "Los Urabeños" vorstellte, eine Sprachnachricht mit einer Kriegserklärung gegen die ELN verbreitet. Er richtete sich an "die gesamte Bevölkerung der Grenzzone", insbesondere gegen "die Petzer der Guerilla". Ebenso befahl "El Paisa" den Motorradtaxifahrern ihre Arbeit einzustellen und den Besitzern von Metzgereien, Wechselhäusern und anderen Geschäften vorübergehend zu schließen. "All dies richtet sich gegen die Guerilla, die Kollektive und alle, die sie unterstützten. Der Krieg hat angefangen und mit Feuer und Schwert nehmen wir die ganze Grenze ein", sagte er in der Nachricht. Mit den "Kollektiven" (Colectivos) sind chavistische Basisorganisationen gemeint, die teilweise bewaffnet sind und in den Augen der kolumbianischen Paramilitärs mit der ELN verbündet seien.

Die Kriegserklärung von "Los Urabeños" – auch als "Gaitán-Selbstverteidigungsgruppen Kolumbiens" (AGC) bekannt – erfolgte, nachdem die ELN den Drogenbanden der Grenzzone in den letzten Monaten immer mehr Terrain entrissen hatte. Da diese Banden in der Region für die Bolivarischen Streitkräfte und die ELN ein gemeinsamer Feind sind, wird in der kolumbianischen Presse oft darüber spekuliert, dass beide auf der venezolanischen Seite der Grenze kooperieren. Dies soll zur Ausbreitung der ELN in dieser Zone beigetragen haben.

Die Enthauptungen und Einschüchterungen der Bevölkerung in der Region werden als eine Strategie der AGC bewertet, um die ELN aus der Grenzzone zu vertreiben und die Kontrolle der Region wieder zu gewinnen. Der Kampf um diese Kontrolle erstreckt sich aufseiten der AGC auf die Kooperation mit anderen Drogenbanden oder deren Bekämpfung. Inzwischen sind drei weitere Leichen von zwei Männern und einer Frau mit Folterspuren in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta aufgefunden worden. Die Leichen sollen aus Venezuela über die Grenze transportiert worden sein. Noch ist es unklar, wer dafür verantwortlich ist.

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