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Internetplattform Ecuador Inmediato geschlossen

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Logo des Internetportals Ecuadorinmediato. Ecuadors ältestes und wohl renommiertestes Internetmedium ist von Zensurversuchen betroffen
Logo des Internetportals Ecuadorinmediato. Ecuadors ältestes und wohl renommiertestes Internetmedium ist von Zensurversuchen betroffen

Quito. In Ecuador ist die regierungskritische Internetplattform Ecuador Inmediato (EI) nach 15 Jahren geschlossen worden. In einer Erklärung vom 18. August an die Öffentlichkeit in- und außerhalb Ecuadors nennt der Direktor Francisco Herrerea Aráuz als Grund für die Schließung die juristische Verfolgung der Plattform durch die Regierung des amtierenden Präsidenten Lenín Moreno. Man habe die Arbeit aus Protest gegen die Einschränkung der freien Meinungsäußerung in Ecuador eingestellt.

Seit April waren bereits über ein Dutzend Anzeigen gegen EI und den Server IWeb in Kanada erstattet worden. Die Kläger warfen EI einen Verstoß gegen das Urheberrecht vor, da Fotos von der Homepage des amtierenden Präsidenten verwendet worden waren. In dem Ermittlungsverfahren gegen EI verwarf das Gericht die Anzeigen.

Araúz wirft der Regierung nun vor, direkt für die Schließungen verantwortlich zu sein. Nach früheren vorübergehenden Sperrungen wurden alle Kanäle der sozialen Medien von EI geschlossen, einschließlich des Webradios. Es habe die Redaktion viel Zeit und Kraft gekostet, die Arbeit fortzusetzen. Dazu beigetragen habe das Vorgehen des amtierenden Kommunikationsminister Andrés Michelena, der nach Angaben Araúz’ 25 weitere Anzeigen gegen EI veranlasste.

Der EI-Chef erläutert weiter, dass die Redaktion, um weitere Sanktionen zu vermeiden, den Server gewechselt und alle Daten aus 15 Jahren Arbeit übertragen habe. Der Server in einem anderen nicht genannten Land könne eine juristische Verfolgung durch die Regierung Ecuadors bisher abwehren. Man bedauere die zeitweise Schließung von EI und fordere die Regierung auf, eine freie Presseberichterstattung zu ermöglichen.

Um die Arbeit von EI fortsetzen zu können, ruft Aráuz Leser und Unterstützer auf, die Redaktion finanziell zu unterstützen. Ohne diese Hilfe sei eine weitere Arbeit nicht möglich.

Ecuador Inmediato war seit den Präsidentschaftswahlen 2017 eine der wenigen unabhängigen Stimmen aus Ecuador. Fast alle anderen Medien unterstützen die Regierung und veröffentlichen so gut wie nichts über die Opposition im Umfeld des ehemaligen Präsidenten Rafael Correa.

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