Kolumbien / Politik

Kolumbien: Erster Mord an einem Ex-Guerillero in einer Wiedereingliederungszone

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UNO-Generalsekretär Antonio Guterres (links) und Alexander Parra bei einem Zusammentreffen in Mesetas im Januar 2018
UNO-Generalsekretär Antonio Guterres (links) und Alexander Parra bei einem Zusammentreffen in Mesetas im Januar 2018

Mesetas. Zum ersten Mal ist ein ehemaliger Guerillero der Farc-EP innerhalb eines Wiedereingliederungszentrums ermordet worden. Die Tat ereignete sich in Mesetas im Departamento Meta. Mehrere vermummte und bewaffnete Männer drangen in die als "Territorialer Ausbildungs- und Wiedereingliederungsraum" bezeichnete Zone ein und erschossen den ehemaligen Kämpfer der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo, Farc-EP) Alexander Parra.

Bei dem Opfer handelt es sich um den Ehemann von Luz Marina Giraldo. Sie kandidiert für die Partei Alternative revolutionäre Kraft des Volkes (Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común, Farc) bei der Wahl für den Gemeinderat von Mesetas. Wie seine Frau war auch Alexander Parra politisch aktiv: Er war für den Bezirksrat von Meta als Beauftragter für Fragen der sozialen Wiedereingliederung tätig. Er war 30 Jahre lang Mitglied der Farc-EP und hatte bei der zuständigen staatlichen Behörde, der Nationalen Schutzeinheit, Sicherheitsmaßnahmen für sich und seine Frau beantragt. Auch sie befand sich zum Zeitpunkt des Mordanschlags auf Parra in dem Zentrum. Leibwächter, die zu ihrem Schutz anwesend waren, versuchten, auf die Attacke zu reagieren. Auch ehemalige Guerilleros, die sich gerade im Gespräch mit Parra befanden, schützten Giraldo. Die Täter konnten vom Tatort fliehen. Als die Polizei kurze Zeit später eintraf, konnte nur noch der Tod Parras festgestellt werden.

Sowohl das Militär wie auch die Polizei patrouillieren rund um das Zentrum. Groß angelegte Kontrollen gibt es der Leiterin der Einrichtung zufolge nicht. Über mögliche Risiken und Gefahren hatte sie im Hinblick auf die Tage vor der Wahl des Gemeinderats ihre Bedenken geäußert. Es ist das erste Mal, dass bewaffnete Täter in ein Wiedereingliederungszentrum eingedrungen sind und einen Mord verübt haben. Marcela Amaya, Gouverneurin des Departamento Meta, kündigte an, bessere Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Kolumbiens Präsident Iván Duque teilte via Twitter mit, er habe gründliche Untersuchungen der Tat angeordnet. Die Farc-Partei verkündete, sich über die Sicherheitslage ihrer Mitglieder und Kandidaten beraten zu wollen.

Laut Farc ist Alexander Parra der 168. Ex-Guerillero, der seit Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen ihrer Organisation und der Regierung im Jahr 2016 erschossen wurde; 88 davon starben seit dem Amtsantritt von Iván Duque. Allein im September dieses Jahres wurden fünf Ex-Guerilleros ermordet. Die meisten davon lebten im Norden von Santander.

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