Historischer Streik der Ölarbeiter gegen Petrobrás in Brasilien

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Auch wenn der Streik der Petrobrás-Mitarbeiter für die Verhandlungen unterbrochen ist, hatte er über 20 Tage historische Dimensionen angenommen
Auch wenn der Streik der Petrobrás-Mitarbeiter für die Verhandlungen unterbrochen ist, hatte er über 20 Tage historische Dimensionen angenommen

Brasília. Streikende Ölarbeiter des staatlichen Ölkonzerns Petrobrás haben nach einem 20 Tage währenden historischen Streik, an dem 21.000 Ölarbeiter an 212 Standorten in Brasilien beteiligt waren, einen vorläufigen Sieg errungen. Der Ölkonzern musste einlenken und sah sich schließlich zu Verhandlungen gezwungen. Ob der Streik noch weitergehen wird, muss sich nach Abschluss der Verhandlungen noch zeigen.

Grund für den Streik war die ungesetzliche fristlose Entlassung von 144 Angestellten des Düngemittelwerks Nitrogenados do Paraná (Fafen-PR). Diese Entlassungen sind inzwischen bis zum 6. März ausgesetzt worden. Anfang Februar hatten die entlassenen Ölarbeiter ihre Kündigungsschreiben vor dem Eingang ihrer Firma, einer 100-prozentigen Petrobras-Tochter, öffentlich verbrannt. Die Ölarbeiter-Gewerkschaft Federação Única dos Petroleiros (FUP) reagierte auf den Bruch des Arbeitsrechts mit einem brasilienweiten Streikaufruf.

Angaben der Ölarbeiter-Gewerkschaft zufolge hatten 64 Prozent der Petrobrás-Beschäftigten in ganz Brasilien über zwei Wochen ihre Arbeit niedergelegt. Darunter waren Beschäftigte von 56 Ölbohrplattformen, elf Raffinerien, 23 Treibstoff-Terminals und weiterer Unternehmensstandorte der Petrobrás. Der Streik betraf beinahe das ganze Land und speziell die Bundesländer Amazonas, Ceará, Rio Grande do Norte, Pernambuco, Bahia, Espirito Santo, Minas Gerais, Rio des Janeiro, São Paulo, Paraná, Santa Catarina, Rio Grande do Sul.

Das Oberste brasilianische Arbeitsgericht hatte den Erdölarbeiterstreik zunächst für illegal erklärt und Bußgelder von über 100.000 Euro angedroht, die Höhe wurde aber inzwischen abgesenkt.

Solidarische Brasilianer, Gewerkschafter und Mitglieder von sozialen Bewegungen hielten am 18. Februar einen großen Protestmarsch in Rio de Janeiro ab, unter der Mitwirkung von 15.000 Menschen, die gegen die Regierung von Jair Bolsonaro protestierten und gegen seine Pläne, den staatlichen Ölkonzern zu privatisieren.

"Im Gegensatz zu dem was im Fernsehen gesagt wurde, ist der Kampf der Ölarbeiter nicht vorbei. Der Streik ruht während der Verhandlungen und ist nicht abgesagt", vermeldet die Ölarbeiter-Gewerkschaft FUP aktuell auf ihrer Homepage. Am 27. Februar ist die zweite Verhandlungsrunde über eine Streik-Schlichtung in Brasilia angesetzt.

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