CIA hat gegen Unabhängigkeitsprozess in Britisch-Guayana agiert

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Sollte aus dem Amt gebracht werden: Der sozialdemokratische Politiker Cheddi Jagan, Premierminister von Guyana in den 1960er Jahren
Sollte aus dem Amt gebracht werden: Der sozialdemokratische Politiker Cheddi Jagan, Premierminister von Guyana in den 1960er Jahren

Washington. Neue freigegebene Dokumente des US-Geheimdienstes CIA offenbaren den umfangreichen Charakter einer Einflussoperation in Britisch-Guayana in den Jahren 1961 bis 1964. Sie richtete sich gegen den sozialdemokratischen Politiker Cheddi Jagan, der ab 1961 als erster Premierminister der südamerikanischen Kolonie amtierte.

Jagan, dessen Eltern aus Indien stammten, hatte unter anderem in den USA studiert und gründete die People's Progressive Party (PPP) mit. Als diese 1953 die Wahlen gewann, intervenierte die britische Armee und beendete Jagans Amtszeit nach lediglich 133 Tagen. Premierminister Winston Churchill hatte geglaubt, dass Jagan ein Marxist-Leninist sei, wofür es jedoch keine Beweise gab. Jagan war zunächst inhaftiert und durfte danach drei Jahre lang die Hauptstadt Georgetown nicht verlassen. Nach den Wahlen im August 1961 kam die PPP erneut an die Regierung und Jagan konnte seine zweite Amtszeit als Premierminister antreten.

Das National Security Archive, eine Forschungs- und Archivierungseinrichtung an der George Washington University, hat nun neue Dokumente veröffentlicht. Diese belegen, dass die US-Regierung darüber diskutierte, wie der Sozialdemokrat wieder aus dem Amt entfernt werden könnte.

Premier Jagan traf im Oktober 1961 mit US-Präsident John F. Kennedy zusammen. Er verglich sich selbst mit dem britischen Sozialdemokraten Aneurin Bevan, der nach dem Zweiten Weltkrieg den National Health Service etabliert hatte. Politiker in Washington versuchten sich bei ihren Umsturzplänen mit der britischen Regierung zu koordinieren. Als Katalysator für die Einflussoperation wirkten Unruhen im Jahr 1962. Die PPP-Regierung hatte ein Austeritätsbudget vorgelegt, was den Unmut in weiten Teilen der Bevölkerung, vor allem aber unter Gewerkschaftern, beförderte.

US-Außenminister Dean Rusk schrieb seinem britischen Amtskollegen, dass ein Weg gefunden werden müsste, um die "marxistisch-leninistische Politik" Jagans zu beenden. Daraufhin begannen Diskussionen innerhalb der US-Administration, aber auch mit der britischen Regierung, wie dieses Ziel erreicht werden könnte. Der Geheimdienst CIA stationierte Spione in dem Land, US-Amerikaner schworen die Oppositionspolitiker auf eine Wahlrechtsreform ein und US-Gewerkschaften unterstützten die oppositionell gesinnten Gewerkschaften des kleinen Landes. Darüber hinaus gab der nationale Sicherheitsberater von Kennedy grünes Licht für die paramilitärische Schulung von Kadern der oppositionellen Partei People’s National Congress (PNC) von Forbes Burnham. Kennedys Berater Arthur M. Schlesinger Jr. schätze Burnham als politisch für die USA genehmer ein als Cheddi Jagan. Eine Fehleinschätzung, wie sich später zeigen sollte.

Mit der umfangreichen US-amerikanischen Hilfe, einem für die Opposition passenden Wahlrecht und äußerst genehmen Zuschnitt der Auslandswahlkreise gelang es dem PNC mit einer weiteren kleinen Oppositionspartei, den Urnengang 1964 zu gewinnen. Der weiterhin amtierende britische Kolonialgouverneur übertrug daraufhin Burnham den Auftrag, eine Koalitionsregierung zu bilden, was dieser auch tat. Zwei Jahre später erlangte Guyana die Unabhängigkeit.

Während die Unterstützung der US-Gewerkschaft schon länger bekannt war, offenbaren die neu freigegebenen Dokumente die Diskussionen zwischen US-amerikanischen aber auch britischen Regierungsmitgliedern über die CIA-Operation in dem Land. Für die USA und Großbritannien sollte sich die Aktion als Eigentor herausstellen, da Burnham ab den 1970ern Jahren versuchte, einen guyanischen Sozialismus zu etablieren, sich eng an die Sowjetunion anlehnte und exklusive Beziehungen mit Nordkorea aufbaute.

Cheddi Jagan war von 1992 bis zu seinem Tod am 15. Februar 1997 Präsident von Guyana.

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