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Einsparungen in Ecuador gehen weiter: Müssen jetzt Universitäten schließen?

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"Ohne Kampf keine Bildung": Protestaktion gegen die Kürzung der Budgets für Universitäten in Ecuador
"Ohne Kampf keine Bildung": Protestaktion gegen die Kürzung der Budgets für Universitäten in Ecuador

Quito. Nach einer Ankündigung der ecuadorianischen Regierung, das Budget der Universitäten um rund 100 Millionen US-Dollar kürzen zu wollen, regt sich trotz Corona-Krise immer mehr Widerstand. Rektoren der 32 betroffenen Hochschulen haben sich nun mit der Forderung an die Regierung gewandt, die geplanten Maßnahmen zurückzunehmen. Begründet werden die Pläne von der Regierung um Präsident Lenín Moreno mit den finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Nachdem in den vergangenen Jahren, auch auf Druck von Kreditgebern wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und privaten Investoren, die öffentlichen Ausgaben bereits immer weiter heruntergefahren wurden, droht nun nach dem auf Kürzungen zurückzuführenden Kollaps des Gesundheitssystems infolge der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus ein weiterer gravierender Einschnitt für die Ecuadorianer.

In einem gemeinsamen Kommuniqué weisen die Universitätsrektoren und die Versammlung des Hochschulwesens (ASECEC) darauf hin, dass die Aufrechterhaltung der Bildung in der Verfassung festgeschrieben ist und bei entsprechenden Kürzungen "der nationalen Bildung ein sehr ernster und irreparabler Schaden" zugefügt würde. Zudem leiste die von den Universitäten ausgehende wissenschaftliche Forschung, insbesondere in Zeiten der Corona-Pandemie, einen äußerst wichtigen Beitrag.

Trotz der momentan geltenden Kontaktbeschränkungen kam es, wie durch das Bündnis ecuadorianischer Studenten (Federación de Estudiantes Universitarios del Ecuador, FEUE) vor dem Präsidentenpalast oder von Studenten der Zentraluniversität (Universidad Central de Ecuador, UCE), in der Hauptstadt Quito zu öffentlichen Protesten. Die Oppositionspartei Revolución Ciudadana organisierte eine digitale Protestaktion.

Der Rektor der mit rund 70.000 Studierenden größten Universität des Landes in Guayaquil, Roberto Passailaigue, kündigte in einem Interview mit der Zeitung El Universal an, eine Klage wegen Verfassungswidrigkeit einreichen zu wollen. Das zur Verfügung stehende Budget sei in den letzten Jahren schon heruntergefahren worden, von 175 Millionen US-Dollar im Jahr 2018 auf 168 Millionen für das laufende Jahr. Nun wären nur noch 155 Millionen verfügbar – und damit deutlich zu wenig, um beispielsweise alle für die Lehre notwendigen Professoren und Dozenten weiter bezahlen zu können.

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Auch die Vize-Rektorin der UCE, María Augusta Espín, sieht in einer kurzfristigen Kürzung des Budgets um rund zehn Prozent eine unmögliche Aufgabe für ihre Universität. Der Direktor der UCE, Fernando Sempértegui, erklärte bereits, dass beispielsweise das Personal für die Doktorantenprogramme der Medizin nicht mehr bezahlt werden könnte. Auch die Universität von Cuenca rechnet mit einer Kürzung um fünf Millionen US-Dollar und damit um zehn Prozent des verplanten Budgets.

Sogar die für die öffentliche Bildung verantwortliche Regierungsinstitution "Senescyt" äußerte die Befürchtung, die Universitäten könnten nach den geplanten Kürzungen den Bildungsbetrieb nicht mehr wie gehabt und wie erforderlich weiterführen. An der UCE wurde am Dienstag bereits die Möglichkeit der Einschreibung für das kommende Semester gestoppt.

Neben den Angestellten der Universitäten sind auch Lehrer von der angespannten wirtschaftlichen Lage betroffen: Sie werden für den April – und damit den zweiten Monat hintereinander – ihr Gehalt erst mit Verzögerung ausgezahlt bekommen.

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