Chile / Politik

Chile: Umstrittene Frauenministerin tritt nach 34 Tagen zurück

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Macarena Santelices Amtszeit war von Kontroversen geprägt. Nun trat sie zurück
Macarena Santelices Amtszeit war von Kontroversen geprägt. Nun trat sie zurück

Santiago. Chiles Frauenministerin Macarena Santelices ist am Dienstag nach nur 34 Tagen im Amt zurückgetreten. Die Ernennung der Großnichte des Ex-Diktators Augusto Pinochet hatte in dem Andenstaat von Anfang an für Polemik gesorgt. "An dem Tag, an dem verstanden wird, dass die Sache der Frauen keine politische Färbung hat, gehört sie allen und wir können vorankommen. Aus Loyalität zu Präsident Sebastián Piñera, dem Land und den Chileninnen, entscheide ich heute, zur Seite zu treten", twitterte sie zum Abschied.

Ihre kurze Amtszeit war geprägt von Kritik und Vorwürfen. Am Tag ihrer Ernennung am 6. Mai wurde der Hashtag #NoTenemosMinistra (Wir haben keine Ministerin) Trending Topic in den sozialen Netzwerken. Frauenorganisationen, Feministinnen und Künstlerinnen waren empört darüber, dass eine Verteidigerin der Militärdiktatur zur Frauenministerin ernannt worden war. "Wir können nicht die guten Dinge des Militärregimes verkennen", hatte Santelices in einem Zeitungsinterview erklärt. Es gebe feministische Bewegungen in Chile, die "Chaos und Zerstörung" verbreiten, sagte sie kurz nach ihrem Amtsantritt.

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Anfang Juni hagelte es Kritik gegen Santelices wegen eines Videos, das das Frauenministerium im Rahmen einer Kampagne gegen Frauengewalt veröffentlicht hatte. Darin wird ein älterer Mann gezeigt, der einen Brief an seine Enkelin schreibt, die von ihrem Freund misshandelt wird. Das sei für ihn die Strafe dafür, dass er selbst seine Frau geschlagen habe. Der Täter werde im Video als Opfer dargestellt, kritisierten Frauenorganisationen. Santelices nahm das Video zwar aus dem Netz und entschuldigte sich, machte aber selbst eine andere Behörde dafür verantwortlich. Darüber hinaus besetzte sie einen Posten im Ministerium mit dem Journalisten Jorge Ruz, der für seine sexistischen Schlagzeilen in der Boulevardzeitung La Cuarta bekannt ist.

Santelices Nachfolgerin Mónica Zalaquett ist ebenfalls Mitglied der rechtskonservativen Partei Unabhängige Demokratische Union (Unión Democrática Independiente), in der mehrere Anhänger Pinochets sind. Auch gegen sie wurde Kritik laut, weil sie sich gegen ein Gesetzesvorhaben zur Legalisierung von Abtreibung aus therapeutischen Gründen geäußert, eine schwangere Elfjährige als "mutig" beglückwünscht und im Parlament gegen ein Gesetzesprojekt für einen sechs Monate langen Mutterschutz gestimmt hatte.

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