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Ölkonzerne beenden Venezuela-Geschäfte wegen US-Sanktionen

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Die Ölförderung ist der wichtigste Wirtschaftszweig in Venezuela
Die Ölförderung ist der wichtigste Wirtschaftszweig in Venezuela

Caracas. Mehrere multinationale Unternehmen verladen derzeit ihre letzten Öllieferungen von Venezuelas staatlicher Ölgesellschaft PDVSA. Dies geschieht im Zuge der erwarteten Verschärfung der Sanktionen vor den Präsidentschaftswahlen in den USA am 3. November.

Washington hat Medienberichten zufolge langjährigen PDVSA-Kunden wie ENI (Italien), Repsol (Spanien), Reliance (Indien) und Tipco Asphalt (Thailand) Fristen zwischen Oktober und November gesetzt, um die Geschäfte mit PDVSA abzuschließen.

Nach den ersten Sanktionen im Jahr 2017 hatte das US-Finanzministerium im Januar 2019 ein Öl-Embargo verhängt, das später zu einem generellen Verbot aller Geschäfte mit venezolanischen Staatsunternehmen ausgeweitet wurde. Die Ölförderung in dem südamerikanischen Land ist von durchschnittlich 1,911 Millionen Barrel pro Tag 2017 auf nur noch 340.000 im August dieses Jahres zurückgegangen.

In diesem Jahr eskalierte die Regierung von Donald Trump ihre Politik und verfügte Sekundärsanktionen gegen den russischen Energiekonzern Rosneft sowie gegen mehrere Reedereien und Schiffe.

Die Maßnahmen gegen die venezolanische Ölindustrie führten dazu, dass Unternehmen sich zunehmend von Geschäften mit PDVSA abwandten. Transaktionen erforderten eine besondere Genehmigung des US-Finanzministeriums. Anderen Unternehmen, wie dem US-Multi Chevron, wurde nacheinander ein dreimonatiger Verzicht auf Strafmaßnahmen gewährt, damit sie weiterhin Joint Ventures mit PDVSA betreiben konnten.

Nachdem Präsident Trump im August seine "Enttäuschung" über den mangelnden Erfolg der Sanktionen für einen Sturz der Maduro-Regierung geäußert hatte, ging Washington dazu über, diese Ausnahmeregelungen zu beenden und die Unternehmen aus Venezuela zu vertreiben, die immer noch mit dem Ölsektor des Landes zu tun haben. Besonders Swap-Geschäfte wurden ins Visier genommen.

Repsol und ENI hatten Swap-Geschäfte mit PDVSA im Bereich Rohöl für Treibstoff und bereiten offenbar letzte Ölladungen für Oktober vor. Tipco Asphalt hat ebenfalls drei Ladungen für Oktober vorgesehen, teilte die Nachrichtenagentur Reuters mit. Das US-Außenministerium habe das Unternehmen gewarnt, seine Ölkäufe einzustellen, andernfalls müsse es mit Sanktionen rechnen. Reliance Industries, einst einer der größten PDVSA-Kunden, hat ebenfalls eine letzte Öllieferung für November geplant.

Der Sonderbeauftragte des Weißen Hauses für Venezuela, Elliot Abrams, lobte die US-Sanktionen als "zunehmend effektiv" beim Entzug von Einnahmen der venezolanischen Regierung. Washington "schätze die Zusammenarbeit" der Ölkonzerne, fügte er hinzu. Abrams ist als neokonservativer Hardliner und wichtiger politischer Architekt hinter den US-Kriegen im Irak und in Mittelamerika bekannt.

Die Verhinderung der Tauschgeschäfte Rohöl für Kraftstoffe hat auch die Knappheit von Diesel und Benzin in Venezuela verschärft. Dies war ein explizites Ziel der Trump-Administration, die kürzlich so weit ging, nach Venezuela fahrende Treibstofftanker in internationalen Gewässern zu beschlagnahmen.

Die Kämpfe um die Ölindustrie haben dazu geführt, dass Caracas zunehmend mit dem Iran zusammenarbeitet. Teheran hat technische Hilfe bei der Reaktivierung venezolanischer Raffinerien angeboten und im Mai auch eine Treibstofflieferung geschickt. Berichten zufolge sollen in Kürze drei weitere Treibstofftanker eintreffen.

Der Iran war auch für die Ölaufbereitung mit einem sehr großen Rohöltanker (Very Large Crude Carrier, VLCC) behilflich, der 500.000 Barrel Kondensat für die in diesem Monat anstehenden Joint Ventures von PDVSA transportierte. Der VLCC soll nun eine Lieferung von zwei Millionen Barrel des venezolanischen Rohöls Merey 16 nach Iran bringen.

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