Erneut wurde in Mexiko ein Journalist getötet

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Arturo Alba Medina bei seiner letzten Sendung am 30. Oktober 2020 (Screenshot)
Arturo Alba Medina bei seiner letzten Sendung am 30. Oktober 2020 (Screenshot)

Chihuahua. Arturo Alba Medina, 49 Jahre alt, Moderator der nächtlichen Fernsehnachrichtensendung Telediario auf dem privaten Canal 6, ist am vergangenen Donnerstag in Ciudad Juárez von bewaffneten Männern getötet worden.

Nach Angaben des Interamerikanischen Presseverbands (SIP) war es circa 21:50 Uhr, wenige Minuten nachdem Alba Medina seinen Arbeitsplatz verlassen hatte, als die Täter elf Mal auf ihn schossen. Danach flüchteten sie.

Der Journalist, der auch Pressesprecher des Technologischen Instituts von Ciudad Juárez war, hatte in seiner Nachrichtensendung öfter über die Korruption, die Unsicherheit und die Gewalt im nördlichen Bundesstaat Chihuahua kritisch informiert.

Laut nationalen Medien habe er in der Nacht des Verbrechens über den Totschlag an der Minderjährigen Jennifer Amador Moreno durch Mitglieder der Bundeskommission für öffentliche Sicherheit und über einen bewaffneten Zusammenstoß zwischen der Mafia Gruppe La Línea und lokalen Polizisten berichtet.

Die Nationale Menschenrechtskommission veröffentlichte ein Kommuniqué, in dem sie den Staat auffordert, "seiner Verpflichtung nachzukommen, die journalistische Arbeit in einem Umfeld von Sicherheit und Vertrauen zu gewährleisten, damit Journalisten jedes Thema, das von öffentlichem Interesse ist, ohne Zensur und ohne Aggressionen behandeln können."

Der SIP-Vorsitzende, Jorge Canahuati Larach, verurteilte den Mord an Alba Medina scharf: "Wir lehnen die andauernde Gewalt gegen Journalisten in Mexiko ab. Wir fordern den Staat auf, seine Verantwortung zu übernehmen, die Verantwortlichen schnell zu identifizieren und die entsprechenden Strafen für dieses schwere Verbrechen zu verhängen", heißt es auf der Webseite des Presseverbandes.

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Carlos Jornet, SIP-Mitglied und Vorsitzender des Verbandes argentinischer Journalisten, prangerte an, dass die Mehrheit der Morde an Journalisten in Mexiko ungestraft bleibt. "Mexiko bleibt nachweislich weiterhin eines der gefährlichsten Länder der Welt für Journalisten“, so Jornet.

Weitere Kritiken kamen von der Nationalen Gewerkschaft der Presseredakteure. Sie fordert die Staatsanwaltschaft von Chihuahua und die spezielle Staatsanwaltschaft für Straftaten gegen die Meinungsfreiheit auf, zügige und gründliche Ermittlungen einzuleiten.

Der Gouverneur von Chihuahua, Javer Corral, informierte indes, dass im Fall Medina "in alle Richtungen" ermittelt werde. "Wir werden den Forderungen der Familie Alba Medina nachgehen“, versicherte er.

Die Lage der Journalisten hat sich wegen der Corona-Pandemie, aber auch wegen der vor kurzem verkündeten Etatkürzungen bei Schutzprogrammen für Medienschaffende und Menschenrechtsverteidiger, erheblich verschlechtert.

Alba Medina ist der neunte ermordete Journalist in Mexiko seit Beginn dieses Jahres. Vor ihm waren:

  • Julio Valdivia Rodríguez, von der Tageszeitung El Mundo de Córdoba, im Bundesstaat Veracruz, am 9. September
  • Pablo Morrugares, Mitarbeiter des Nachrichtenportals PM Noticias, in Iguala, Guerrero, am 2. August
  • José Castillo Osuna, vom Nachrichtenportal Prioridad Máxima, in Ciudad Obregón, Sonora, am 11. Juni
  • Jorge Armenta, von Medios Obson, in Ciudad Obregón, Sonora, am 16. Mai
  • Víctor Fernando Álvarez Chávez, vom Nachrichtenportal Punto por Punto, in Guerrero, tot aufgefunden am 8. April
  • María Elena Ferral, Mitarbeiterin der Tageszeitungen Diario de Xalapa und Quinto Poder, in Papantla, Veracruz, am 30.März
  • Fidel Ávila Gómez, Moderator von KeBuena Huetamo, in Michoacán, tot aufgefunden am 7. Januar
  • Álvaro Ruiz, Moderator von Radio Pichucalco 102.1 FM, in Chiapas, tot aufgefunden am 5. Januar
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