Geldstrafen im Odebrecht-Korruptionsskandal in Kolumbien

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Lateinamerikas größtes Bauunternehmen Odebrecht aus Brasilien steht im Zentrum eines internationalen Korruptionsskandals (Logo des Konzerns, Ausschnitt)
Lateinamerikas größtes Bauunternehmen Odebrecht aus Brasilien steht im Zentrum eines internationalen Korruptionsskandals (Logo des Konzerns, Ausschnitt)

Bogotá. Die kolumbianische Oberste Aufsichtsbehörde für Industrie und Handel (SIC) hat gegen den brasilianischen Baukonzern Odebrecht und seine Geschäftspartner in Kolumbien Strafzahlungen von insgesamt 295 Millionen Pesos (84,4 Millionen US-Dollar) verhängt.

Neben dem Bauriesen handelt es sich um das Finanzierungsunternehmen Corficolombiana, dessen Anlageunternehmen Episol, den Konzessionär der Straße "Ruta del Sol 2" und vier natürliche Personen. Dies sind drei ehemalige Direktoren Odebrechts in Kolumbien sowie ein früherer Geschäftsführer von Corficolombiana. Die Zahlungen sollen sie an den kolumbianischen Staat leisten.

Die Strafe gegen den Ex-Vizeminister für Transport, Gabriel Ignacio García Morales, wegen der Ermöglichung illegaler staatlicher Aufträge für Odebrecht wurde wegen seiner Kooperation mit den Untersuchungsbehörden aufgehoben.

Grund für die Sanktionen sind Bestechungszahlungen des Konzerns und seiner Partner an kolumbianische Beamte im Jahr 2010 in Höhe von 30 Millionen US-Dollar, um sich den Auftrag für den Bau der Autobahn "Ruta del Sol 2" zu sichern, die das Landesinnere mit der Atlantikküste verbinden soll. Laut SIC war der Plan, "in einer ersten Phase eine wettbewerbswidrige Vereinbarung", um die Baukonzession zu garantieren. In einer zweiten Phase bestand er "aus einer Dynamik von Erstattungen und unregelmäßigen Zahlungen".

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Das Urteil kann noch angefochten werden. Corficolombiana und Episol teilten mit, sie seien "nicht verantwortlich für die ermittelten Aktivitäten" und würden ihre rechtliche Position verteidigen. Odebrecht Kolumbien erklärte, "mögliche Maßnahmen zu evaluieren".

Der Korruptionsfall um Odebrecht gilt als der größte in der Geschichte Lateinamerikas. Der Konzern, der sich sich neuerdings Novonor nennt, hat nach eigenen Angaben in zehn Ländern der Region einflussreiche Politiker bestochen, um lukrative Aufträge zu bekommen. 2018 schätzte das US-Justizministerium, dass Odebrecht von 2003 bis 2018 788 Millionen US-Dollar Bestechungsgelder in der Region gezahlt hat. Mit den so angebahnten Geschäften soll er drei Milliarden US-Dollar verdient haben.

In Kolumbien wird Odebrecht zudem vorgeworfen, den Wahlkampf von Ex-Präsident Juan Manuel Santos mitfianziert zu haben (amerika21 berichtete).

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