Bolivien trauert: Indigener Aktivist "El Mallku" gestorben

bolivien_beisetzung_quispe.jpeg

"Ponchos Rojos" trugen den Sarg zum Friedhof Alljata Grande in Achacachi
"Ponchos Rojos" trugen den Sarg zum Friedhof Alljata Grande in Achacachi

El Alto/Achacachi. Felipe Quispe Huanca, eine der wichtigsten politischen Führungsfiguren der indigenen Bewegung Boliviens, ist unter Begleitung Hunderter Menschen in Ajaria Grande in der Gemeinde Achacachi nahe La Paz beigesetzt worden. Er war am vergangenen Dienstag im Alter von 78 Jahren an Herzversagen verstorben. An der Trauerfeier nahm auch Vizepräsident David Choquehuanca teil.

Der Aymara Quispe, auch bekannt unter dem Namen El Mallku, wurde am 22. August 1942 in der Provinz Omasuyos im Hochland Boliviens geboren. El Mallku bedeutet auf Aymara "der Kondor" und wird ebenfalls für traditionelle Autoritäten verwendet. Seine Anerkennung erwarb er sich durch seinen langjährigen Widerstandsgeist und Einsatz für die indigene Bewegung. 1978 war er an der Parteigründung der Indigenen Bewegung Túpac Katari beteiligt, die sich für die Wiedereinführung von Selbstverwaltungsformen und die Anerkennung indigener Sprachen einsetzte.

Mit Beginn der Militärdiktatur ging Quispe 1980 ins Exil nach Peru, Guatemala und El Salvador, wo er Erfahrungen im Guerilla-Kampf sammelte. 1983 kehrte er zurück und gründete die "Roten Ayllus", eine indigenistisch-politische Basisbewegung der Bauernföderation im Hochland. 1990 schloss er sich der Guerillaarmee Túpac Katari (Ejército Guerrillero Túpac Katari) an. Diese wurde zwei Jahre später von Regierungstruppen aufgerieben und viele ihrer Mitglieder verbüßten lange Haftstrafen, unter ihnen der ehemalige Vizepräsident Álvaro García Linera.

Quispe saß fünf Jahre im Gefängnis in La Paz, wo er sein Abitur nachholte. In den 2000ern übernahm er eine Führungsrolle bei den Volksaufständen gegen die neoliberalen Regierungen, die schließlich in der Machtübernahme der Bewegung zum Sozialismus (Movimiento al Socialismo, MAS) kulminierten.

Aus seiner politischen Kritik an der MAS und insbesondere seinem ehemaligen Weggefährten Evo Morales machte Quispe nie einen Hehl. Er war Parlamentsabgeordneter für die Indigene Pachakuti Bewegung (MIP) und trat 2002 und 2005 als Gegenkandidat zu Morales für das Amt des Präsidenten an, allerdings ohne nennenswerten Erfolg. 2014 erklärte er Morales öffentlich die politische Feindschaft und bezeichnete ihn als "Neoliberalen mit dem Antlitz eines Indios".

Quispe verteidigte bis zuletzt eine radikale indigenistische Position, die sich für die Gründung eines unabhängigen indigenen Staates einsetzte. Er ließ sich noch im Dezember 2020 als Kandidat für das Gouverneursamt von La Paz für die Regionalwahlen im März aufstellen. In den letzten zehn Jahren arbeitete er als Dozent der Geschichtswissenschaft an der öffentlichen Universität in El Alto. Diese verlieh ihm letzten Freitag posthum den Ehrendoktortitel.

Führungspersönlichkeiten verschiedener politischer Couleur bekundeten ihr Beileid und erinnerten an die Verdienste Quispes für die indigene Bewegung. "Wir werden seinen Kampf für die Befreiung und die Würde der Völker fortsetzen", so Präsident Luis Arce. Carlos Mesa von der Allianz Bürgergemeinschaft (Comunidad Ciudadana) würdigte Quispe als "eine überaus wichtige Figur der aktuellen Geschichte, Vorbild im Kampf für die Inklusion, die Gleichheit und die volle Anerkennung der Rechte der Indigenen Boliviens". Evo Morales erklärte via Twitter: "Sein Kampf und seine Führungsqualitäten waren ein wichtiger Beitrag zur Befreiung der indigenen Völker. Bolivien verliert einen konsequenten sozialen Aktivisten. Felipe ist unsterblich durch seinen indigenen Kampf!"

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr