"Die Zeit der Völker ist gekommen": Neues Kollektiv in Mexiko richtet sich gegen Gewalt gegen Indigene

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Das Wappen des Indigenen Nationalkongresses des CNI
Das Wappen des Indigenen Nationalkongresses des CNI

Mexiko-Stadt. Aktivist:innen, Wissenschaftler:innen und Künstler:innen in Mexiko haben das Kollektiv "Die Zeit der Völker ist gekommen" (Llegó la hora de los pueblos) gegründet. Sie wollen sich gegen die Gewalt stellen, die im Zuge der Umsetzung großer Infrastrukturprojekte gegen indigene Gemeinschaften angewandt wird und die sie als eine Art der Fortführung der Neokolonialisierung empfinden.

Häufig kommen dabei auch Militärs und Paramilitärs zum Einsatz. "Wir werden die Protestaktionen der betroffenen Völker unterstützen und begleiten, da sie für das Leben, den Frieden, Gerechtigkeit und Würde kämpfen", heißt es in dem nach der Gründung veröffentlichten Kommuniqué. Das Kollektiv verkündete auch seine Eingliederung in den Indigenen Nationalkongress (CNI) und in die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN).

Der CNI wurde 1996 auf Initiative der EZLN gegründet, mit dem Ziel, den friedlichen Kampf der indigenen Völker des Landes für ihre Rechte und für ihr Territorium zu koordinieren. Mittlerweile sind 28 von 32 Bundesstaaten im CNI vertreten. Die EZLN wiederum kämpft seit 1994 für ihre Rechte auf Land, Arbeit, Gesundheit, Bildung, Wohnraum, Freiheit sowie das Recht darauf, in Frieden zu leben und ihre Sprache und Kultur zu praktizieren.

Zudem haben CNI und EZLN zusammen mit der "Front der Völker zur Verteidigung von Land und Wasser" (FPDTA) ein gemeinsames Kommuniqué verfasst, in dem sie den Krieg, den der mexikanische Staat gegen die indigenen Völker führe, verurteilen. Um Megaprojekte wie den Bau der Zugstrecke "Tren Maya", den transisthmischen Korridor, das Intergrale Projekt-Morelos (PIM) sowie zahlreiche Bergbauprojekte durchzusetzen, wird in Mexiko häufig das Militär für die Überwachung und Kontrolle der Baustrecken eingesetzt. "Durch die Megaprojekte entsteht eine Neuordnung des Landes nach wirtschaftlichen Interessen des Großkapitals. Die Megaprojekte bringen keinen Nutzen für die Gemeinden. Von der Regierung werden wir als Feinde der Entwicklung dargestellt", so die Indigenen.

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CNI, EZLN und FPDTA wollen zusammen mit dem neu gegründeten Kollektiv weiterhin Widerstand leisten. Sie kündigten Protestaktionen an, bei denen auch nachdrücklich an den bis heute ungeklärten Mord an dem Umweltaktivisten und Mitglied der CNI, Samir Flores Soberanes, erinnert werden soll. Er war 2019 von einer bewaffneten Gruppe vor seinem Haus erschossen worden.

Zudem wollen sie die Zapatisten bei ihrer Reise durch Europa in diesem Jahr begleiten.

Sie fordern auch die sofortige Freilassung politischer Gefangener. Zudem müssten die vielen Verschwundenen in Mexiko, darunter die 43 Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa und der Umweltaktivist Sergio Rivera Hernández, lebend gefunden oder zumindest deren Schicksal aufgeklärt werden.

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