Kolumbien: Wer steckt hinter dem Brand des Justizpalasts von Tuluá?

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Justizpalast von Tuluá in Flammen
Justizpalast von Tuluá in Flammen

Tuluá. Unbekannte haben In der Nacht des vergangenen Dienstag den Justizpalast von Tuluá im Departamento Valle del Cauca in Kolumbien angezündet. Erste Tatverdächtige sind bereits festgenommen worden. Die Regierung hatte von Anfang an die Protestierenden für die Brandstiftung verantwortlich gemacht. Die Menschenrechtsorganisation "Fundación International de Derechos Humanos" (FIDH) geht hingegen von anderen möglichen Tätern aus.

Die Generalstaatsanwaltschaft hat in einem Tweet bekanntgegeben, dass sie bereits Verdächtige festgenommen habe. Dies hat Generalstaatsanwalt Francisco Barbosa nach einem Besuch in Tuluá bestätigt, den er in Begleitung seines Führungsteams und der Staatsanwälte, die für die Ermittlungen von "Terrorakten im Rahmen des nationalen Streiks" zuständig sind, durchführte. "Ich möchte der Bevölkerung von Valle del Cauca und der Bevölkerung von Tuluá mitteilen, dass die Generalstaatsanwaltschaft zusammen mit der Nationalpolizei neun Personen festgenommen hat", so Barbosa.

In einen Interview mit Caracol Radio sagte Justizminister Wilson Ruiz, dass es sich hierbei nicht um "Vandalismus", sondern um "eine gezielte terroristische Attacke" gehandelt habe Seine Begründung: Im weiter südlich gelegenen Popayán habe eine ähnlicheTat stattgefunden. Mitte Mai war in Popayán das Gebäude der Gerichtsmedizin angezündet und zerstört worden. Laut dem Minister können die Probleme mit dem Drogenhandel im Valle del Cauca mit den Brandanschlag in Verbindung gebracht werden.

Währenddessen hat der nationale Sicherheitsberater von Präsident Iván Duque, Rafael Guarin, ohne jegliche Beweise, die "Primera Linea" (Erste Linie) für die Brandstiftung verantwortlich gemacht. In den sozialen Medien schrieb er: "Der Angriff in Tuluá ist ein weiterer 'heroischer' Akt der sogenannten Primera Linea: organisierte Kriminelle, ausgebildet und bewaffnet, um zu zerstören, zu terrorisieren, Angst und Schrecken bei den Bürgern zu erzeugen. Eine gegen Gewalt vereinte Gesellschaft ist grundlegend, um der Barbarei Einhalt zu gebieten."

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Die "Primera Linea" sind Protestteilnehmer, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die übrigen Demonstrierenden vor der Gewalt der Polizei und der Spezialeinheit Esmad zu beschützen. Sie stehen mit ihren selbstgebastelten Schilden in der vordersten Linie – daher auch der Name –  und sind nur mit Jeans, Jacken, Handschuhen, Helmen, Medikamenten, Industrieschutzbrillen und Gasmasken ausgestattet. "Wir existieren, um die Demonstranten zu verteidigen", heißt es in einen Manifest der Primera Linea. Sie seien nicht da, um die Polizei zu provozieren oder "Ärger zu suchen".

Die Menschenrechtsorganisation FIDH sieht die Täter woanders: Die Mehrzahl der Beweise, die sie zum Brandanschlag erhalten habe, spräche für eine Tat durch paramilitärische Strukturen, heißt es in einem Tweet.

Kolumbianische Medien berichteten, dass mehrere Personen den Feuerwehrleuten und Behörden das Betreten des Gebietes erschwerten. Das kolumbianische UN-Menschenrechtsbüro gab bekannt, dass während der Unruhen in Tuluá am Dienstagabend ein Student ums Leben kam.

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