Massengrab in El Salvador lässt tief blicken

164681970_110076291172396_6192923760359780827_n.jpeg

Die Zahl der Verschwundenen nimmt in El Salvador weiter merklich zu
Die Zahl der Verschwundenen nimmt in El Salvador weiter merklich zu

San Salvador. Die Entdeckung eines Massengrabs im Garten eines ehemaligen Polizisten in Chalchuapa hat weltweit Entsetzen ausgelöst. Als Täter wurde Hugo Ernesto Osorio Chavez verhaftet, der bereits vor 15 Jahren aus der Polizei entlassen und wegen sexueller Übergriffe zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war. Das Verbrechen wird im Land im Zusammenhang mit dem größeren Phänomen gesehen, dass zunehmend Menschen in El Salvador morgens aus dem Haus gehen und einfach spurlos verschwinden. Nur wenige Fälle werden aufgeklärt.

Laut Bericht eines Angehörigen wollte einer der mutmaßlich von dem Ex-Polizisten Ermordeten, ein Medizinstudent im vierten Jahr, mit Hilfe eines Schleppers in die USA, um ein Haus zu kaufen und seine Familie in El Salvador zu unterstützen. Die Familie besorgte das Geld für den Schlepper, ein Bruder des jetzt Verhafteten. Nachdem sie die Summe bezahlt hatten, erschien Osorio am Arbeitsplatz der Mutter und Schwester des jungen Mannes und behauptete, dieser sei entführt worden, er wisse aber, wo er sei. Mutter und Schwester fuhren daraufhin nach Chalchuapa. Sobald sie im Haus waren, ermordete Osorio Mutter und Sohn. Die Schwester konnte zunächst fliehen, wurde aber von ihm zurückgeholt und ebenfalls umgebracht. Ihre Schreie alarmierten die Nachbarn, die die Polizei riefen. Diese fand die drei Toten und verhaftete Osorio am 8. Mai. Dann fanden sie im Garten das Massengrab.

Wie viele Ermordete in diesem Grab liegen, ist noch nicht bekannt. In den meisten Fällen sollen es Frauen sein, aber auch Minderjährige sind darunter. Nach Presseberichten sind es mindestens 17 Personen. Die meisten von ihnen galten als verschwunden.

Sie schätzen unsere Berichterstattung?

Dann spenden Sie für amerika21 und unterstützen unsere aktuellen, hintergründigen und professionellen Beiträge über das Geschehen in Lateinamerika und der Karibik.

Damit alle Inhalte von amerika21.de weiterhin für Alle kostenlos verfügbar sind.

Ihr amerika21-Team

Die Zahl der Verschwundenen in El Salvador ist sprunghaft angestiegen. Während die Mordziffern in den letzten Jahren zurückgingen, verschwinden immer häufiger Menschen einfach so – allein im Zeitraum Januar bis April 2021 nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft 415 Personen. Das sind 112 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2020. Von diesen 415 Personen konnten 123 lebend gefunden werden, zehn Personen sind tot. Die Polizei listet sogar 654 Verschwundene. Die Angehörigen suchen inzwischen mit Hilfe von Sozialen Medien nach ihnen, weil die Aufklärungsquote der Behörden so niedrig ist.

Sicherheitsminister Gustavo Villatoro ist der Ansicht, dass das Phänomen der Verschwundenen in der Amtszeit von Präsident Mauricio Funes (2009–2014) entstanden sei, der Berichten zufolge ein Stillhalteabkommen mit kriminellen Banden getroffen habe, um die Mordrate zu senken.

Angesichts der großen Zahl von Personen, die verschwinden, ist der Druck groß, die Hintergründe aufzuklären und Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Fälle zu ergreifen. Allerdings legte das Parlament, das am 1. Mai 2021 sein Amt antrat, gerade erst einen Gesetzesvorschlag für die Suche nach verschwundenen Personen zu den Akten. Menschenrechtsorganisationen wie z.B. FESPAD (La Fundación de Estudios para la Aplicación del Derecho) sehen die Entwicklung mit großer Sorge.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr