Wegen Umweltschäden: Streik gegen das Bergbauunternehmen Anabi in Peru

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Die Justiz hatte 2020 zehn Aktivist:innen freigesprochen, die Anabi 2012 verklagt hatte
Die Justiz hatte 2020 zehn Aktivist:innen freigesprochen, die Anabi 2012 verklagt hatte

Pumallacta, Peru. Die Bevölkerung der Gemeinde Pumallacta in Chumbivilcas (Region Cusco) ist seit einer Woche im unbefristeten Streik. Sie fordert den sofortigen Rückzug des Bergbauunternehmens Anabi SAC aus der Region sowie die Zahlung von 60 Millionen US-Dollar für die entstandenen Umweltschäden. Außerdem verlangt die Gemeinde ein Entgelt für die Nutzung des Gebiets ab 2019. Den Streik beschloss sie in einer Versammlung.

Die Bewohner:innen Chumbivilcas sind bereits seit 2011 im Konflikt mit Anabi. Der Aufstand gegen das Bergbauunternehmen dauerte mehrere Monate an und endete vorerst 2012 mit der Anklage von neun Männern und einer Frau. Anabi zeigte sie in Folge einer Brandstiftung im Bergbaucamp an. Daraufhin erhob der Staat Anklage wegen "Unruhe, Freiheitsberaubung und schwerer Sachbeschädigung". Den Umweltweltschützer:innen drohten bis zu 30 Jahre Gefängnis.

Doch die Bevölkerung ließ sich nicht aufhalten. Anabi verstieß gegen Vereinbarungen und zeigt keine Dialogbereitschaft, so die Gemeinde. 2016 zeigte sich ein Vertreter von Anabi zum Gespräch bereit, erschien aber nicht zum vereinbarten Treffen. Die Gemeinde veranstaltete eine Versammlung, bei der sie die endgültige Schließung der Bergbauprojekte forderte. Anabi schickte ein Polizeiaufgebot.

Der Prozess von 2012 zog sich, trotz fehlender Beweise, über viele Jahre. Erst Anfang dieses Jahres kam es zum Freispruch der Aktivist:innen in letzter Instanz, ein vorheriger Freispruch erfolgte bereits 2020.

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Die Gold-, Silber- und Kupfermine von Anabi treibt seit 2010 die Gewinnung der Edelmetalle voran. Die dadurch freigesetzten Schwermetalle verseuchen lebensnotwendige Wasservorräte. Das macht die Erde unfruchtbar und hat Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung. Zusätzlich transportiert Anabi die gewonnen Mineralien auf nicht ausgebauten Straßen durch Chumbivilcas. Der aufgewirbelte Staub verschmutzt so die örtlichen Böden und Gewässer.

Die Mine liegt südlich der Metropole Cusco, im Norden der Provinz Chumbivilcas. Die Umrisse und das Ausmaß der Mine erkennt man auf Satellitenbildern deutlich. Anabi ist nur eine von zahlreichen Minen in der Region. Hinter dem peruanischen Bergbauunternehmen stehen die Konzerne MDH Performación Diamantina und die chinesische Bergbaufirma MMG, welche auch die nur wenige Kilometer nördlich gelegene Mine Las Bambas unterhält.

Der Konflikt zwischen Anabi und der streikende Andenbevölkerung ist kein Einzelfall. Er reiht sich in eine Tradition von Bäuer:innen und Umweltaktivist:innen, die sich aufgrund von Wasserverschmutzung und Umweltschäden gegen Bergbauunternehmen und den Abbau von Edelmetallen einsetzen.

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