Brasilien / Soziales

Jugendlicher in Brasilien bei Polizeieinsatz mit mehr als 15 Schüssen getötet

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Anwohner sperrten aus Protest gegen die tödlichen Polizeischüsse auf den jungen Mann die Zufahrtsstraßen zu der Gemeinde
Anwohner sperrten aus Protest gegen die tödlichen Polizeischüsse auf den jungen Mann die Zufahrtsstraßen zu der Gemeinde

Curitiba. Nach dem Tod eines Jugendlichen bei einem Polizeieinsatz ist es in der südbrasilianischen Hauptstadt des Bundesstaates Paraná erneut zu Protesten gekommen.

Nach der offiziellen Version der Behörde wurde die Militärpolizei am vergangenen Samstagabend zu einem Vorfall in einer Favela gerufen, nachdem dort Schüsse zu hören waren. Als sie dort ankam, sei es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung gekommen.

Augenzeugen berichteten hingegen, dass der Jugendliche Eduardo Felipe Santos de Oliveira im Haus eines Freundes regelrecht hingerichtet wurde. Er saß nach den Aussagen der Bewohner an der Tür des Hauses, als sich die Polizisten näherten. Daraufhin bekam der Teenager es mit der Angst zu tun und floh in das Haus.

"Die Polizei kam und schoss auf ihn, er rannte in mein Haus und sie töteten ihn in meinem Haus mit mehr als 15 Schüssen", sagte der Hausbesitzer.

"Er hatte viele Freunde und eine Familie, die ihn sehr liebte. Wir haben es satt, ständig unterdrückt zu werden und dass die Polizei einfach in die Favela eindringt und tötet, wen sie will. Sie erschießen uns und rechtfertigen sich damit, sich zu verteidigen und dass die Jugendlichen bewaffnet seien", erklärte ein Bewohner der Favela.

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Bei den Protesten am Sonntag bekräftigten die Anwohner die Unschuld des Jugendlichen und forderten endlich Frieden in den Favelas der Stadt.

"Weil er schwarz ist und in den Slums wohnt, hatte er eine Waffe?" Diese Frage stand auf einem der Plakate, mit denen die Bewohner der Gemeinde Portelinha in Curitiba gegen den Mord an dem jungen Eduardo Felipe Santos de Oliveira protestierten.

Während des Protests blockierten die Bewohner die Hauptzufahrtsstraßen zu ihrer Gemeinde, es gab mehrere Redebeiträge. Einer wies auf die Grausamkeit der Militärpolizei in den Favelas hin und forderte mehr Umsicht:

"Seien Sie vorsichtig bei den Polizeieinsätzen, achten sie auf unsere Kinder, unsere Häuser sind aus Holz, sie können keine Kugeln abwehren. Hier leben Kinder und ältere Menschen in Rollstühlen" , mahnte er.

Wie bei einem Einsatz mit Schusswaffengebrauch durch Polizeibeamte in Brasilien üblich, wird nun ein Verfahren eingeleitet, um die Umstände der Geschehnisse zu ermitteln.

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