"Vom Widerstand zur Macht": Francia Márquez‘ Wahlkampf in Kolumbien

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Francia Márquez bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Universidad Nacional de Colombia
Francia Márquez bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Universidad Nacional de Colombia

Bogotá. Die Umweltschützerin und Bürgerrechtlerin Francia Márquez könnte neue Präsidentin von Kolumbien werden. In der Geschichte des Landes hat bisher weder eine Frau noch ein:e Afrokolumbianer:in das Amt ausgeübt. Sie tritt bei den Vorwahlen innerhalb des progressiven Bündnisses Pacto Histórico (Historischer Pakt) am 13. März gegen den populären linken Kandidaten Gustavo Petro an. Sollte dieser die Vorwahlen und anschließend die Präsidentschaftswahlen am 29. Mai gewinnen, könnte sie das Amt der Vizepräsidentin ausüben.

Am 13. März finden nicht nur diese, sondern auch Parlamentswahlen statt, bei denen 100 Senator:innen, 166 Repräsentant:innen für die Abgeordnetenkammer und weitere 16 aus den Speziellen Übergangswahlkreisen für den Frieden gewählt werden. Aktuell nimmt die Gewalt im Kontext der Wahlen immer mehr zu (amerika21 berichtete): In verschiedenen ländlichen Regionen versuchen paramilitärische Gruppen, die Wahlentscheidung der Bevölkerung zu beeinflussen. Kandidat:innen des Pacto Histórico werden bedroht sowie Wahlkampfbüros attackiert.

Im Interview mit dem Nachrichtenportal Colombia Informa hat Márquez über die Ziele und Ideen des Bündnisses gesprochen. Ein programmatischer Schwerpunkt ist die Friedenspolitik. Sie prangert die Nichteinhaltung des 2016 zwischen der Regierung und den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens Farc-EP unterzeichneten Friedensabkommens an und kritisiert die fehlende Bereitschaft der amtierenden Regierung von Iván Duque zum Dialog mit anderen bewaffneten Akteuren wie der Guerillagruppe Nationale Befreiungsarmee (ELN).

Der Pacto Histórico setzt sich für Ernährungssouveränität, für eine Neuverhandlung mit Farc-Dissidentengruppen und der ELN sowie für eine Polizeireform ein. Bäuerliche Gemeinschaften könnten durch eine Nutzung des Marihuana- und Kokaanbaus für die industrielle Produktion von Textilien und Pharmazeutik gestärkt werden. Sie seien selbst Opfer der Prohibitionspolitik und des Drogenhandels, so Márquez.

Die Kandidatin verkörpert aufgrund ihrer eigenen Biografie die Frauen- sowie die Umweltpolitik: "Frieden zu erreichen bedeutet, den strukturellen Rassismus und die patriarchalischen Formen der Unterdrückung zu beseitigen. Das Thema Umwelt ist eine Notwendigkeit, und heute hinterfragen junge Menschen die Erwachsenen, dir ihre Gegenwart und ihre Zukunft aufs Spiel setzen. Sie sind für einen Wandel, der es uns ermöglicht, das Territorium und die Natur zu schützen. Diese Agenda greifen wir nicht nur auf, weil wir uns im Wahlkampf befinden, sondern weil dies unser historischer Kampf als soziale Bewegung ist."

Für ihren Aktivismus wurde Márquez 2018 mit dem Goldman Environmental Prize ausgezeichnet, der seit 1990 jährlich an sechs Aktivist:innen aus je einem Kontinent vergeben wird. Unter dem Motto "Vom Widerstand zur Macht" mobilisiert die Kandidatin in den verschiedenen Universitäten des Landes für die Wahlen und wird mit Interviewanfragen überhäuft.

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