Kolumbien / Politik

Kolumbien: Gustavo Petro gewinnt neue Verbündete, "politische Mitte" spaltet sich

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Plakat für Petro und Francia Márquez: "Du hast mein Herz enteignet"
Plakat für Petro und Francia Márquez: "Du hast mein Herz enteignet"

Bogotá. Der Wahlkampagne von Gustavo Petro und seiner Vizepräsidentschaftskandidatin, Francia Márquez, haben sich seit letzter Woche viele prominente Personen aus Politik, Geisteswissenschaften und Kultur angeschlossen.

Auch der größte Gewerkschaftsdachverband Kolumbiens, CUT, verkündete seine Unterstützung für die zwei linken Kandidat:innen.

Zu den neuen Unterstützern des Pacto Histórico zählen die Mitglieder der Partei Grüne Allianz Ariel Ávila, Antonio Sanguino, Antanas Mokus, Antonio Navarro, Cathy Juvinao. Ebenso der Ökonom und Ex-Gesundheitsminister Alejandro Gaviria. Sie alle gehörten bis zum ersten Wahlgang zur Coalición Centro Esperanza (Koalition der Mitte und der Hoffnung) und standen hinter dem Präsidentschaftskandidaten Sergio Fajardo, der nur 4,18 Prozent der Stimmen bekam.

Der Leiter des Regierungsdezernats der Stadtverwaltung Bogotás, Luis Ernesto Gómez, kündigte bereits kurz vor dem ersten Wahlgang seinen Posten, um sich dem Wahlkampf Petros anzuschließen. Gómez ist Verbündeter der grünen Oberbürgermeisterin Bogotás, Claudia López, und war 2021 von der Protestbewegung wegen seiner Unterstützung für die Sondereinheit der Polizei, Esmad, stark kritisiert worden.

Fajardo selbst lehnte eine Allianz mit Petro komplett ab. Sein Versuch, sich mit Hernández zu verbünden, scheiterte dennoch. Er bekam einen Korb von dem rechten Geschäftsmann und Politiker. Dem Sprecher der Partei Nuevo Liberalismo, Juan Manuel Galán, der auch zu Fajardos Wahlkoalition gehörte, gelang es hingegen, sich dem Wahlkampf von Hernández anzuschließen.

Hernández wird ebenfalls von wichtigen Politiker:innen der Regierungspartei Centro Democrático (CD) beziehungsweise des "Uribismus" unterstützt. Der ultrarechte Ex-Präsident und CD-Mitgründer, Álvaro Uribe selbst hat sich zu Hernández bislang nicht geäußert. Medien wie das Portal Criterio sehen darin ein Zeichen des Beistands. Das Image Uribes sei so beschädigt, dass der einzige Weg, dem 77-jährigen Kandidaten keinen Schaden zuzufügen, sei, ihn gar nicht zu erwähnen oder öffentlich zu unterstützen.

Hernández seinerseits distanziert sich neuerdings vom Uribismus. Er soll allerdings Geschäfte mit Tomás Uribe, Sohn des Ex-Präsidenten, machen, so die Journalistin María Jimena Duzán. Als der Präsidentschaftskandidat Oberbürgermeister von Bucaramanga war (2016-2019), sagte er über Uribe: "Ich bin ihm zu großem Dank verpflichtet." Hernández gestand, dass der CD-Anführer ihm sehr geholfen habe. "Ich spüre, dass er mich gern hat", sagte der Politiker damals.

Der Ex-Bürgermeister hat aber auch Verbündete verloren. Zum Beispiel den neu gewählten Senator der Coalición Centro Esperanza, Jonatan Ferney Pulido Hernández, auch als "Jota Pe Hernández" bekannt. Der Politiker und Youtuber will nicht mehr hinter dem Kandidaten Hernández stehen, weil Uribisten nun seinen Wahlkampf unterstützen.

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