Landesweite Demonstrationen zum "Tag der Schwarzen Frauen" in Brasilien

brasilien_tag_der_schwarzen_frau_2022.jpeg

Demonstration in São Paulo: "Schwarze Frauen für eine andere Zukunft - Nie wieder Bolsonaro"
Demonstration in São Paulo: "Schwarze Frauen für eine andere Zukunft - Nie wieder Bolsonaro"

Brasilia. Anlässlich des 30. Jahrestags des "Tag der Schwarzen Frauen in Lateinamerika, der Karibik und in der Diáspora" haben am 25. Juli verschiedene politische und soziale Gruppen in Brasilien zum landesweiten Protest aufgerufen.

In vielen Städten nahmen Kollektive den Tag wahr, um ihren Widerstand gegen rassistisch motivierte Gewalt und die ethnischen, wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten auf die Straße zu tragen. Die Protestteilnehmer:innen forderten zudem das Ende von Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung, Sprache, Religion oder sozialer Herkunft.

Neben Kundgebungen und Umzügen fanden auch kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen und Konzerte statt, die auf die Situation von Schwarzen und indigenen Frauen in der Region aufmerksam machen sollen.

"Es ist der Moment, um über die Aufstände der Schwarzen Frauen zu reden, Allianzen zu knüpfen und wieder auf die Straße zu gehen", erklärte Suely Santos vom Netzwerk der Schwarzen Frauen in Bahia.

Vor allem Schwarze und indigene Frauen leben unter prekären Bedingungen. Rund 43 Prozent der Schwarzen Frauen in Brasilien sind informell beschäftigt. Ein geringer Lohn und Armut sind die Folge. Eine Studie der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) zeigt, dass sie, unabhängig von Arbeitszeit und Bildungsstand, den mit Abstand geringsten Lohn im Landesdurchschnitt erhalten.

Der "Tag der Schwarzen Frauen in Lateinamerika, der Karibik und in der Diáspora" fand das erste Mal am 25. Juli 1992 in der Dominikanischen Republik statt. Seit dieser Zeit hat sich ein großes, weltweites Netzwerk aus Aktivist:innen geformt, um sich für die Rechte von Schwarzen Frauen einzusetzen und den Rassismus nicht nur in der Region, sondern in der ganzen Welt sichtbar zu machen und anzuprangern. Auch in anderen Ländern Lateinamerikas, wie beispielsweise Argentinien, Ecuador und Chile fanden am vergangenen Montag Veranstaltungen und Proteste statt.

In Brasilien wird dieser Tag zugleich als "Nationaler Tag der Tereza de Benguela" gefeiert. "Königin Tereza" ist ein Symbol für den Widerstand und den Kampf der Schwarzen Frauen: Im 18. Jahrhundert führte sie für rund 20 Jahre die größte Schwarze und indigene Widerstandsgruppe gegen den portugiesischen Kolonialismus und das Sklavensystem im Bundesstaat Mato Grosso an.

Laut aktuellen Forschungen wurden rund die Hälfte aller Menschen, die zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert aus Afrika nach Amerika verschleppt wurden, in das portugiesische Kolonialreich Brasilien gebracht, insgesamt mehr als 5,5 Millionen.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr