Argentinien und China bauen bilaterale Beziehungen aus

reunion2.jpg

Alberto Fernández trifft Xi Jinping
Alberto Fernández trifft Xi Jinping beim G20-Gipfel

Bali. Am Rande des G20-Gipfels in Indonesien haben Chinas Präsident Xi Jinping und sein argentinischer Amtskollege Alberto Fernández weitreichende Finanzabkommen geschlossen.

So wurde zum einen die Ausweitung des bereits bestehenden Swap-Geschäfts beschlossen. Ein Swap (eng. Tausch) ist ein Finanzmechanismus, der den Umtausch von Devisen zu zukünftigen Terminen ermöglicht und das Risiko von Zinsschwankungen verringern soll. Dem hochverschuldeten Argentinien bietet das Swap-Geschäft mit China zudem die seltene Möglichkeit, Devisen in eigener Währung zu wechseln, ohne den teuren Zwischenweg über den US-Dollar gehen zu müssen. Laut offiziellen Angaben beläuft sich der Tauschwert auf umgerechnet fünf Milliarden US-Dollar, die mehrheitlich der argentinischen Zentralbank zur Aufstockung der staatlichen Reserven und somit der Stabilisierung der eigenen Währung dienen sollen.

Zum anderen versicherte Jinping die Beschleunigung von noch offenen Auszahlungen chinesischer Banken für den Bau der beiden Staudämme "Néstor Kirchner" und "Cepernic" in der südlichen Provinz Santa Cruz. Für das Projekt der zwei Wasserkraftwerke in Patagonien war nach mehreren Unterbrechungen erst im Mai dieses Jahres ein neuer chinesischer Kredit vereinbart worden. Der Bau ist bereits zu 40 Prozent fertiggestellt und soll mit Eintreffen der Zahlungen innerhalb von zwei Wochen wieder aufgenommen werden.

Ein weiteres großes Thema des Treffens waren die Handelsbeziehungen beider Länder. Zwar betonte Finanzminister Sergio Massa die Wichtigkeit des Treffens "wegen der Notwendigkeit, das Gleichgewicht im bilateralen Handel wiederherzustellen", verwies aber zugleich auf das klaffende Handelsdefizit: "Wir dürfen nicht vergessen, dass das prognostizierte Handelsdefizit mit China in diesem Jahr etwa 8 Milliarden US-Dollar beträgt". Angesichts dieses Ungleichgewichts stellte Jinping die Möglichkeit einer Steigerung des Exportvolumens nach China in Aussicht, das insbesondere den Import von hochwertigen Produkten aus Argentinien umfasst. Bisher bezieht das asiatische Land als zweitwichtigster Handelspartner vor allem Rohstoffe wie Sojabohnen und Rindfleisch aus Argentinien. 

Als "sehr gut" bezeichnete Präsident Fernández sein Treffen mit Jinping: "Wir sind beide starke Befürworter des Multilateralismus und der Notwendigkeit, dass die Entwicklung die Menschen mit einbezieht", sagte er. Zur Ausweitung des Swaps erklärte Fernández, dies sei eine "großartige Nachricht", für die man "sehr dankbar" sei. Sein Amtskollege habe ihm erklärt, dass es sich um eine absolute Ausnahme handele, die China für Argentinien gemacht habe.

Argentinien bemüht sich derzeit um die Aufnahme in die Brics-Gruppe (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) und kann dabei auf die Unterstützung der Volksrepublik zählen (amerika21 berichtete). Die Brics-Staaten repräsentieren 42 Prozent der Weltbevölkerung und 24 Prozent der Weltwirtschaftsleistung. Mehrere Länder, neben Argentinien auch der Iran, Nigeria, Indonesien und Saudi-Arabien sind an einer engeren Zusammenarbeit bis hin zu einer Mitgliedschaft interessiert.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr