Bogotá. Die Inflation in Kolumbien ist weiter zurückgegangen. Nach Angaben der kolumbianischen Statistikbehörde (Dane) betrug die Veränderung des Verbraucherpreisindex zwischen Januar und November 4,72 Prozent. Das sind 4,06 Prozentpunkte weniger als im Januar. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag die Inflationsrate im November bei 5,20 Prozent und damit 4,95 Prozentpunkte niedriger als im November 2023. Im Vergleich zum Vormonat betrug sie 0,27 Prozent.
Diese und andere wirtschaftliche Erfolge der Regierung von Gustavo Petro führt der Präsident auf die "gute Arbeit" von Wirtschaftsminister Ricardo Bonilla "in schwierigen Zeiten für die Staatsfinanzen" zurück. Die Regierung hatte von der ultrarechten Vorgängerregierung unter Ivan Duque ein Land mit einer Inflationsrate von 13,3 Prozent übernommen.
Unter Bonillas Führung stieg Kolumbien auf Platz drei der Liste der Länder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die im letzten Quartal am stärksten gewachsen sind (amerika21 berichtete). Zudem konnten 1,6 Millionen Menschen aus der monetären Armut herausgeholt werden. Außerdem ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zur Regierungszeit Duques von 11,3 auf 9,1 Prozent gesunken.
Bonilla musste jedoch Anfang Dezember zurücktreten, nachdem ihn die ehemalige Beraterin des Wirtschaftsministeriums, Maria Benavides, bei der Generalstaatsanwaltschaft der Verwicklung in eine Korruptionsaffäre beschuldigt hatte. Laut Benavides soll sich Bonilla dafür eingesetzt haben, Kongressmitglieder für Regierungsprojekte zu "kaufen".
Das Regierungslager interpretierte dies als einen weiteren Zug im Sinne eines juristischen Krieges der Regierungsgegner:innen, auch als Lawfare bekannt. Petro forderte daraufhin den Rücktritt Bonillas, "nicht weil ich glaube, dass er schuldig ist, sondern weil sie ihn in Stücke reißen wollen, weil er dem Regierungsprogramm treu geblieben ist und weil sie diese Regierung auf verfassungswidrige Weise stürzen wollen".
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Politiker:innen des Regierungsbündnisses Pacto Histórico zeigten sich besorgt über die Aussage von Benavides wegen ihrer politischen Vergangenheit. Sie hatte früher als Wahlkampfberaterin für Mitglieder der ultrarechten Oppositionspartei Centro Democrático gearbeitet. Unter der Regierung Duque wurde sie ins Wirtschaftsministerium berufen und blieb dort auch unter der Regierung Petro. Anhänger:innen der Regierung sehen Bonilla als Opfer einer von Oppositionskreisen inszenierten Verleumdungskampagne.
"Ich gehe erhobenen Hauptes", schrieb Bonilla in seinem Rücktrittsschreiben an den Präsidenten. Er sei sich sicher, die Ermittlungsbehörden davon überzeugen zu können, dass er kein Verbrechen begangen habe. Er wolle sich seiner Verteidigung als Bürger ohne seinen Status als Regierungsbeamter widmen, auch um Schaden von der Regierungsagenda abzuwenden.
In seiner letzten öffentlichen Botschaft als Wirtschaftsminister feierte Bonilla die jüngsten Inflationszahlen. "Seit 21 Monaten haben wir die Inflation in Kolumbien unter Kontrolle, die ursprünglich bei 13,34 Prozent lag", sagte der Ex-Minister. "Wir sind dabei, das Wirtschaftswachstum wieder anzukurbeln", fuhr er fort und prognostizierte für 2025 ein Wachstum von drei Prozent.
Bonilla war nach José Antonio Ocampo der zweite Wirtschaftsminister der Regierung Petro. Sein Nachfolger ist der 39-jährige Diego Guevara, er war bisher stellvertretender Wirtschaftsminister.


