Brasilien, Argentinien und Mexiko bauen Förderung von Öl und Gas aus

Vor COP30 legt NGO Urgewald neue Daten zu Projekten vor. Diese zeigen einen fossilen Boom für Lateinamerika

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Protest gegen Ölauktion vor einer Ölplattform vor Rio de Janeiro
Protest gegen Ölauktion vor einer Ölplattform vor Rio de Janeiro

Berlin/Belém. Kurz vor der Weltklimakonferenz COP30 hat die deutsche Umweltorganisation Urgewald vergangene Woche ihre aktualisierten globalen Datenbanken zur fossilen Industrie vorgestellt. Es handelt sich um die Global Coal Exit List (GCEL 2025) und die Global Oil & Gas Exit List (GOGEL 2025). Die COP30 beginnt heute im brasilianischen Belém.

Während weltweit vor allem China, Indien und die USA fossilen Ausbau anführen, zeigen die Datenbanken: Auch Lateinamerika spielt beim weiteren Ausbau von Kohle-, Öl- und Gasförderung eine zentrale Rolle – von Schiefergas in Argentinien bis zu Offshore-Bohrungen vor der brasilianischen Küste.

Laut der GOGEL 2025 verfolgen 30 Energieunternehmen kurzfristige Förderexpansionsprojekte in Lateinamerika, deren Realisierung absehbar sei, weil sie bereits genehmigt wurden oder sich im Bau befinden. Zusammen verfügen sie über ein geplantes Fördervolumen von rund 30.554,8 Millionen Barrel Öläquivalent (mmboe)*. Das entspricht 11,3 Prozent der weltweit geplanten kurzfristigen Fördermenge von 270.708,8 mmboe.

Die größten zusätzlichen Fördermengen entfallen auf Brasilien, Argentinien und Mexiko, gefolgt von Venezuela und Kolumbien. In Brasilien entstehen derzeit mehrere neue Tiefsee-Offshore-Projekte im sogenannten Pré-Sal-Gebiet, darunter Felder wie Búzios und Mero, die von Petrobras betrieben werden. In Argentinien konzentriert sich die Expansion auf die Schiefergasförderung in Vaca Muerta, eines der größten Fracking-Vorkommen der Welt. Aus Mexiko kommen sowohl Offshore-Projekte im Golf von Mexiko als auch Onshore-Bohrungen hinzu.

Der Ausbau der Förderung geht dabei häufig mit neuen Pipelines, LNG-Terminals und Gaskraftwerken einher. Laut dem Bericht "The Money Trail: Behind Fossil Fuel Expansion in Latin America and the Caribbean" von Urgewald und Partnerorganisationen wie FARN, Arayara und Amazon Watch entsteht eine Flut neuer Öl- und Gasinfrastruktur in der Region, deren Umfang über 8.800 Kilometer neue Öl- und Gaspipelines, 19 geplante LNG-Exportterminals sowie mehr als 54.000 Megawatt zusätzlicher Gaskraftwerkskapazität umfasst. Diese Projekte sind auf Laufzeiten von 30 bis 50 Jahren ausgelegt und erzeugen langfristige fossile Lock-in-Effekte.

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Auch die GCEL 2025, Urgewalds Kohle-Datenbank, verweist auf eine anhaltende fossile Dynamik in der Region. Sie Datenbank zählt 27 Unternehmen mit Sitz in Lateinamerika auf. Davon sind 20 eigenständige Muttergesellschaften und sieben Tochterunternehmen internationaler Konzerne. Zusammen betreiben sie rund 12,5 Gigawatt Kohlekraft und fördern jährlich rund 87 Millionen Tonnen Kohle, vor allem aus Kolumbien und Brasilien.

Damit liegt der prozentuale Anteil an der weltweiten Produktion lediglich bei einem Prozent. Dennoch hat die Region eine überdurchschnittliche Exportbedeutung. Besonders Kolumbien zählt zu den fünf größten Kohleexporteuren der Welt. Das Land exportiert über 90 Prozent seiner Kohleproduktion. Damit liefert Kolumbien 5,4 Prozent der global gehandelten Kohlemenge. Während der Kohleeinsatz in vielen Ländern stagniert, bleibt Kolumbien als Exportland somit ein Ausnahmefall – dort werden weiterhin neue Förderflächen erschlossen, teils mit ausländischer Beteiligung wie der türkischen Yildirim-Gruppe oder Ronin Resources aus Australien.

Mit den neuen Datenbanken wollen Umweltschutzorganisationen deutlich machen: Lateinamerika ist kein Randgebiet der fossilen Industrie, sondern ein zentrales Feld ihrer globalen Expansion. Statt einer Abkehr von fossilen Energien vollzieht die Region derzeit eine "fossile Diversifizierung".

* Methodischer Hinweis: Die Berechnung der geplanten Fördermenge basiert auf einer Schätzung: Da einzelne Unternehmen in der GOGEL-Datenbank Projekte in mehreren Ländern führen, wurde das ausgewiesene Volumen gleichmäßig auf alle in der Spalte "Expansion countries" genannten Staaten verteilt.