Kritik aus Mercosur-Ländern an Handelsabkommen mit EU

EU und Mercosur unterzeichnen in Asunción ein Handelsabkommen. Der Pakt senkt Zölle deutlich. Ratifizierung durch EU-Parlament und die Parlamente Argentiniens, Brasiliens, Paraguays und Uruguays steht noch aus. Umweltrisiken und Agrarfragen bleiben umstritten

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Nicht nur als Erfolg wird das Freihandelsabkommen bewertet, es stößt auch auf viel Kritik
Nicht nur als Erfolg wird das Freihandelsabkommen bewertet, es stößt auch auf viel Kritik

Asunción. Am 17. Januar 2026 haben die Europäische Union und der südamerikanische Wirtschaftsblock Mercosur ein lang erwartetes Freihandelsabkommen in Paraguay unterzeichnet. Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen soll der Vertrag schrittweise Zölle auf über 90 Prozent des bilateralen Handels abbauen und eine der weltweit größten Freihandelszonen mit rund 700 Millionen Menschen schaffen. Die Unterzeichnung umfasst ein politisches Partnerschaftsabkommen sowie ein vorläufiges Handelsabkommen. Sie muss nun noch durch den Beschluss des Europäischen Parlaments und die nationalen Parlamente Argentiniens, Brasiliens, Paraguays und Uruguays ratifiziert werden.

Argentiniens Präsident Javier Milei bezeichnete das Abkommen als "wichtigste Errungenschaft in der Geschichte des Mercosur" und betonte, das Abkommen eröffne neue Möglichkeiten für weitere internationale Handelsinitiativen, während Argentinien den Vertrag zur Ratifizierung an das Parlament weiterleitet.

Paraguays Präsident Santiago Peña, dessen Land aktuell den Vorsitz des Mercosur innehat, sprach bei der Zeremonie von einer "Chance für gemeinsame wirtschaftliche Stärke".

Der uruguayische Präsident Yamandú Orsi begleitete die Unterzeichnung und unterstrich, dass das Abkommen "eine klare Perspektive für Wachstum und Exportchancen" biete.

Brasilien war durch Außenminister Mauro Vieira vertreten. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva lobte das Abkommen zwar als strategisch wichtig für den Handel und die Kooperation über Kontinente hinweg, nahm aber nicht an der Zeremonie teil.

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Kritiker verweisen jedoch auf mögliche Herausforderungen, etwa im Agrarsektor und im Umweltbereich, die in der Folge der Ratifizierung politisch behandelt werden müssten.

Umweltverbände und Wissenschaftler warnen, das Abkommen könne zu mehr Entwaldung und höheren Emissionen führen, insbesondere im Amazon-Gebiet. Die Intensivierung der Rinder- und Sojaproduktion in Mercosur-Ländern gehöre zu den Hauptursachen für die Zerstörung von Ökosystemen, und ein stärkerer Export könne diesen Trend verstärken. Kritiker weisen darauf hin, dass bestehende Nachhaltigkeits- und Kontrollmechanismen im Vertrag nicht ausreichend seien, um diese Risiken effektiv zu begrenzen.

Innerhalb der Mercosur-Regierungen wurden Bedenken geäußert, dass zusätzliche Bestimmungen, die in der EU eingeführt wurden, nicht Teil der ursprünglichen verhandelten Vereinbarungen seien und potenziell nachverhandelt werden müssten.

Der brasilianische Ökonom Paulo Nogueira Batista war früher Vizepräsident der Brics-Entwicklungsbank und Ex-Direktor des Internationalen Währungsfonds für Brasilien und zehn weitere Länder. Batista argumentiert, der Vertrag treibe eine neoliberale, wenn nicht sogar neokoloniale Struktur voran, bei der Brasilien weiterhin Rohstoffe und primäre Güter an die EU exportiere, während industrialisierte Güter aus Europa importiert würden. Das führe zu einer strukturellen Benachteiligung der brasilianischen Industrie im Vergleich zu europäischen Unternehmen, die in der Regel wettbewerbsfähiger seien.

Soziale Bewegungen aus Argentinien und Paraguay schreiben: "Mit diesem Abkommen sichert sich die EU den Zugang zu den von ihr benötigten Rohstoffen, während sie ihren ökologischen Fußabdruck sowie die sozioökologischen Kosten eines Abkommens externalisiert, das asymmetrische Standards durchsetzt und unsere Völker dazu verurteilt, in Prekarität zu leben. Das EU-Mercosur-Abkommen kommt den Arbeiterinnen und Arbeitern des Südens nicht zugute. Es verfestigt die Spezialisierung auf Sektoren mit niedriger Produktivität und hohen sozioökologischen Auswirkungen, während es Reichtum bei exportorientierten Eliten konzentriert, die Arbeitsverhältnisse und Lebensbedingungen der Beschäftigten prekarisieren, und ein extraktivistisches Modell stärkt, das sozial und ökologisch nicht tragfähig, ausgrenzend und verarmend ist."