Washington. Der kolumbianische Präsident Gustavo Petro und der Präsident der USA, Donald Trump, haben sich am 3. Februar im Weißen Haus zu einem Gespräch getroffen. Nach Monaten der Spannungen und gegenseitiger Kritik markiert dies eine Wende in den bilateralen Beziehungen. Das Treffen dauerte mehr als zwei Stunden und fand ohne offizielle Zeremonie statt. Dabei wurden zentrale Themen wie der Kampf gegen den Drogenhandel, die regionale Sicherheit und die energiepolitische Zusammenarbeit erörtert.
Nach dem Treffen bezeichnete Trump das Gespräch als "sehr produktiv" und erklärte, er habe sich "sehr gut" mit seinem kolumbianischen Amtskollegen verstanden. Petro erklärte seinerseits, er habe das Treffen mit einem "positiven Eindruck" verlassen, und betonte, dass trotz politischer Unterschiede gemeinsame Standpunkte gefunden worden seien.
In sozialen Netzwerken veröffentlichte der kolumbianische Präsident eine von Trump unterzeichnete Notiz mit den Worten: "Gustavo, eine große Ehre. Ich liebe Kolumbien."
Nach späteren Erklärungen beider Präsidenten wurden gemeinsame Maßnahmen gegen den Drogenhandel besprochen, die laut Trump zu den wichtigsten Prioritäten Washingtons zählt. Petro erklärte, er habe Karten, Geheimdienstberichte und Daten zu Beschlagnahmungen vorgelegt, um das Engagement seiner Regierung zu belegen. "Meine Regierung ist diejenige, die in der Geschichte die meisten Tonnen Kokain beschlagnahmt hat", sagte er.
Während des Treffens wurde auch die Situation in Venezuela sowie die Präsenz bewaffneter Gruppen in der Region thematisiert. Trump erklärte seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit bei der Bekämpfung krimineller Organisationen, während Petro die Notwendigkeit einer regionalen Strategie betonte, die Sicherheit und soziale Entwicklung verbindet.
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Ein weiteres Thema war das Verhältnis Kolumbiens zu Ecuador. Petro bat Trump, im diplomatischen Konflikt mit Präsident Daniel Noboa zu vermitteln, der aus Auseinandersetzungen in den Bereichen Sicherheit und Handel entstanden war (amerika21 berichtete). "Es gibt Kräfte, denen es nützt, wenn Länder ihre diplomatischen Beziehungen abbrechen, weil sie zur Mafia gehören", erklärte Petro gegenüber Caracol Radio.
Der kolumbianische Präsident übergab seinem US-amerikanischen Amtskollegen zudem eine Liste mit den Namen mutmaßlicher führender Drogenbosse, die außerhalb Kolumbiens leben. "Die erste Reihe des Drogenhandels lebt in Dubai, in Madrid, in Miami", erklärte er und unterstrich die Notwendigkeit, internationale Netzwerke zu verfolgen.
Im wirtschaftlichen und energiepolitischen Bereich schlug Petro vor, dass das staatliche kolumbianische Unternehmen Ecopetrol an Projekten zur wirtschaftlichen Wiederbelebung Venezuelas beteiligt wird, und stellte die Möglichkeit von Gasexporten nach Kolumbien in Aussicht. Nach Angaben des Präsidenten habe die US-Regierung Bereitschaft signalisiert, in bestimmten Regionen einige Sanktionen zu lockern.
Das Treffen stellte einen Wendepunkt nach einem Jahr dar, das von Meinungsverschiedenheiten über Migration, Venezuela, Gaza und die Drogenpolitik geprägt war. Ein Telefongespräch im Januar hatte den Entspannungsprozess eingeleitet. Petro verwies zudem auf die Bedeutung des direkten Kontakts zwischen Präsidenten zur Überwindung von Missverständnissen.


