Guatemala-Stadt/Havanna. Guatemala will die Tätigkeit von kubanischem Gesundheitspersonal im Land "schrittweise" beenden. Das geht aus einer Erklärung des Außenministeriums hervor, die bereits am 6. Januar veröffentlicht wurde. In Medien und der Öffentlichkeit wurde der Plan der Regierung aber erst durch einen Artikel von Prensa Comunitaria vom vergangenen Samstag stärker bekannt. Gründe für die Entscheidung nannte die guatemaltekische Regierung nicht.
Nach Informationen von Prensa Libre sind aktuell 336 kubanische Fachärzte in Guatemala tätig, dazu kommen 65 Pflegekräfte, technische Fachkräfte und Personal für Logistik. Tätig sind die kubanischen Gesundheitsteams in 16 der 22 Departamentos.
45 Prozent von ihnen sind jedoch in lediglich drei Departamentos eingesetzt: Quiché, Petén und Alta Verapaz. Alta Verapaz und Quiché sind die beiden Departamentos im Land mit der höchsten Armutsrate. Nach offiziellen Zahlen von 2024 leben in Alta Verapaz 90,3 Prozent der Einwohner unter der Armutsgrenze, in Quiché sind es 86,4 Prozent, im Petén über 60 Prozent. Das dünnbesiedelte Departamento im Norden des Landes hat zudem eine niedrig entwickelte Infrastruktur.
Von Gewerkschaften und sozialen Aktivisten kam umgehend Widerspruch gegen die Entscheidung. Die Sektion der Gewerkschaft der Beschäftigten im Gesundheitswesen (SNTSG) für den Nordosten Guatemalas, die die betroffenen Departamentos umfasst, schreibt auf ihrer Facebookseite: "Da haben wir es, die verheerenden Entscheidungen unserer neuen Autoritäten im Gesundheitsministerium. Wie kann das sein, wo doch kubanische Ärzte einen bedeutenden Beitrag für das Land geleistet haben und selbst die entlegensten Gemeinden erreicht haben, in die viele einheimische Ärzte sich weigern zu gehen."
Ohne Moos nix los
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Auf der Seite des alternativen Radios Dezurda heißt es: "Die Regierung von Bernardo Arévalo weist, im Einklang mit Donald Trumps Politik, die kubanischen Ärzte aus, die im guatemaltekischen Gesundheitssystem tätig waren." Arévalo schade "den Gemeinden, die von kubanischen Ärztebrigaden betreut werden" und handle "im imperialistischen Interesse".
Prensa Libre schreibt in ihrem Artikel, dass die US-Regierung im Juli 2025 Visabeschränkungen für Politiker angekündigt hatte, die mit kubanischen Ärztebrigaden zusammenarbeiten. Allerdings wurde dem guatemaltekischen Gesundheitsminister Joaquin Barnoya kein Visum entzogen.
Die kubanischen Gesundheitsbrigaden sind seit den Folgen des Hurrikan Mitch 1998 in Guatemala tätig. Noch im November 2025 wurde in einer Veranstaltung in Anwesenheit von Führungskräften aus dem Gesundheitsministerium, dem Gouverneur der Hauptstadt Guatemala-Stadt und Vertretern Kubas die 27 Jahre der Arbeit von kubanischem Gesundheitspersonal gewürdigt. Kubanische Ärzte haben seitdem "mehr als 63 Millionen Behandlungen und 698.000 Operationen durchgeführt und dazu beigetragen, mehr als 394.000 Leben in den entlegensten Gebieten des Landes zu retten", hieß es damals in einer Erklärung der guatemaltekischen Regierung.


