Mexiko-Stadt. Die mexikanische Präsidentin Sheinbaum hat sich positiv gegenüber der möglichen Öl- und Gasförderung durch Fracking (Hydraulic Fracturing) geäußert. Zuvor hatte sich die Politikerin stets gegen die umstrittene Methode ausgesprochen und insbesondere auf mögliche Umweltschäden hingewiesen.
Die Kehrtwende konkretisierte sich am 15. April durch die Präsentation eines "Expertenkomitees" auf einer Pressekonferenz der Regierung. Das Gremium, repräsentiert unter anderem durch den Rektor der Nationalen Autonomen Universität Mexikos (UNAM), soll die "sozialen Kosten" und "Umweltrisiken" des Frackings bewerten und über die "Machbarkeit" Auskunft geben. Während die Regierung die Notwendigkeit neuer Fördermethoden angesichts globaler Krisen und der Abhängigkeit von US-Importen im Energiesektor betont, kritisieren Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen sowie indigene Gemeinden die aktuellen Entwicklungen scharf.
Vor dem Eingang der Abgeordnetenkammer protestierten am Tag nach der Bekanntgabe der Zusammensetzung des Gremiums zur "Fracking-Machbarkeit" Vertreter:innen des Mesoamerikanischen Indigenen Observatoriums, der Mexikanischen Allianz gegen Fracking sowie Gemeindebewohner:innen aus Orten in San Luis Potosí, Veracruz und Hidalgo. Mit Blick auf die drohende Verschmutzung der Böden und des Wassers erklärten sie: "Für uns bedeutet diese Praxis den Tod".
Bereits zuvor äußerte die Allianz gegen Fracking Zweifel, ob das beratende Gremium der Regierung tatsächlich alle drohenden Risiken abwägen würde oder ihr Einsatz "lediglich eine bereits beschlossene Entscheidung zugunsten fossiler Brennstoffe als wissenschaftlich fundiert tarnen will". In einer Erklärung vom 13. April heißt es: "Wenn der Ausschuss keine Möglichkeit hat, ein Fracking-Verbot zu empfehlen, kann keine ernsthafte öffentliche Debatte stattfinden. Sie wird eine Farce inszenieren."
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Über 80 Umweltorganisationen wiesen bereits vor der Vorstellung des Gremiums darauf hin, dass "nachhaltige Versionen" der Hydraulic-Fracturing-Technik zur Gasgewinnung "im Diskurs vielversprechend klingen mögen, in der Praxis aber nicht existieren". Sie verweisen ihrerseits auf über 2.300 wissenschaftliche Studien aus den vergangenen 15 Jahren, die vor allem in den USA zu diesem Thema erarbeitet wurden.
Aktuell wird Fracking-Gas in Mexiko vor allem aus den USA importiert. Viele Umweltschützer:innen und von Pipeline-Projekten betroffene Gemeinden weisen darauf hin, dass man der Abhängigkeit nicht mit der Förderung fossiler Energien im eigenen Territorium, sondern einer grundsätzlich anderen (Energie-)Politik begegnen müsse. Die aktuellen Pläne würden lediglich "dasselbe fossile Modell vertiefen, welches Territorien verschmutzt, Wasserquellen gefährdet und ganze Gemeinden Risiken aussetzt".
Auch in Deutschland protestiert insbesondere die Klimabewegung zunehmend gegen den Import von fossilem Erdgas und Flüssigerdgas und erklärt: "Grünes Gas ist eine dreckige Lüge". Für Mai 2026 ruft das Bündnis Ende Gelände zur Massenaktion "Fossiles Gas stoppen. Systemwandel jetzt" im Ruhrgebiet auf.

